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Aus der Region

Rat Lukassek: Noch viel zu tun

Kirchliche Bauten

Rat Wolfgang Lukassek ist Leiter des Bauamtes im Ordinariat Erfurt und damit für die Bausubstanz eines Teils der Kirchen und kirchlichen Gebäude im Bereich der neuen Bundesländer verantwortlich. Der Tag des Herrn sprach mit dem Architekten über den Zustand kirchlicher Bauten im Bistum Erfurt, über Neubauten, über Vorhaben und finanzielle Möglichkeiten.

Frage: Wie war der bauliche Zustand der Kirchen und kirchlichen Gebäude zur Zeit der Wende 1989/90?
Lukassek: In den Kriegsjahren und über die DDR-Zeit hinweg waren Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten nur sehr eingeschränkt möglich. So war bis zur Wende ein riesiger Sanierungsbedarf entstanden. Außerdem entsprach die Ausstattung caritativer Einrichtungen nach der Wende oft nicht den gesetzlich vorgeschriebenen und wirtschaftlich erforderlichen Bedingungen.

Frage: Was wurde seit 1990 in Angriff genommen?
Lukassek: Vor allem in unseren Krankenhäusern, Altenheimen und Kindergärten ist baulich viel passiert. Hatte das Bistum Erfurt zum Beispiel früher 36 Altenheime mit teils nur 10 bis 15 Einwohnern, sind es inzwischen nur noch 26 Heime, in denen aber großenteils zwischen 70 und 100 Bewohner leben. Hier ist sowohl von kirchlicher wie von staatlicher Seite inzwischen viel Geld investiert worden. Etwas anderes ist die Sanierung von Kirchen und Gemeindehäusern. Hier ist der Nachholebedarf nur langsam aufzuarbeiten. Neu- und Erweiterungsbauten wurden nur verwirklicht, wenn sie pastoral dringend nötig waren.

Frage: Es mangelt für die Sanierung an Finanzen?
Lukassek. Genau. Ich nenne ein Beispiel: An vielen Kirchen konnte zu DDR-Zeiten nur das Nötigste gemacht werden. Die Ausmalung etwa einer mittelgroßen Dorfkirche kostet heute vielleicht 100 000 Mark. Bevor aber damit begonnen werden kann, müssen eventuell die Grundmauern saniert, das Dach erneuert, neue Fenster angeschafft werden. Um am Ende die Kirche ausmalen zu können, sind dann unter Umständen insgesamt 700 000 oder 800 000 Mark nötig. Folge: Die Sanierung kann nur schrittweise gehen.

Frage: Wie steht es um Neubauvorhaben?
Lukassek: Wir können nur dringend nötige Objekte in Angriff nehmen. So ist zum Beispiel die Errichtung einer kleinen Kirche für Oberhof geplant. Denn wir laufen bald schon Gefahr, unsere bestehenden Bauten nicht mehr erhalten zu können.

Frage: Tut die Gesellschaft genug für den Erhalt kirchlichen Kulturerbes?
Lukassek: Staat und Gesellschaft haben zweifellos eine Verpflichtung zum Erhalt der kirchlichen Kulturgüter. Bei knappen Kassen wird jedoch zuerst im kulturellen Bereich gespart. Natürlich kostet die Sanierung sehr viel Geld. Doch ist auch daran zu erinnern, daß der über Jahre aufgestaute Sanierungsbedarf durch politische Ursachen entstanden ist. Und daß für die umweltbedingten Schäden an kirchlichen Gebäuden die Gemeinden kaum verantwortlich zu machen sind.
Interview: Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 24.11.1996

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