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Bistum Görlitz

Menschenfreund und Brückenbauer

Görlitz (br) - Am Vorabend seines 25jährigen Bischofsjubiläums wurde Bischof Bernhard Huhn im Görlitzer Rathaus die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen. Ein wenig besorgt zeigte er sich über die vielen Ehrungen, die ihm dargebracht werden.

"Wird noch etwas übrig bleiben für den Jüngsten Tag, den ich als Christ erwarte, wenn Gott seinen Richterspruch sprechen wird?" fragte er und brach mit dieser Bemerkung alle Förmlichkeit und Steifheit der Feier. Diese Ungezwungenheit ist wohl auch eine der Eigenschaften, für die der Bischof die Ehrenbürgerschaft verliehen bekam. Der Dresdner Regierungspräsident Dr. Helmut Weidelehner wies in seiner Ansprache auf die "große menschliche Art" des Görlitzer Altbischofs hin.

Oberbürgermeister Matthias Lechner würdigte seinen Einsatz für das Wohl der Menschen, sein ökumenisches Engagement und sein Bemühen um die deutsch-polnische Verständigung. In den Augen seines Nachfolgers als Görlitzer Oberhirte, Rudolf Müller, wurde Huhn für all das geehrt, was er über die eigentliche Arbeit in der Kirche hinaus für Görlitz getan habe.

Einiges davon kann man in den nachträglich veröffentlichten Dokumenten der Berliner Bischofskonferenz nachlesen. Da ging es nicht nur um geistliche Fragen, sondern sehr wohl auch um gesellschaftliche, wenngleich der eher abwägende Ton uns heute zu leise erscheinen mag. Im September 1989 forderte der Bischof in einem Brief an die Ratsvorsitzenden der Bezirke Cottbus und Dresden nicht nur Reiseerleichterungen gen Westen, sondern auch den "genehmigungsfreien Reiseverkehr" nach Osten.

Als Niederschlesier weiß Bischof Huhn um die schweren Hypotheken der Geschichte, um Mißtrauen und Vorurteile auf beiden Seiten. Zwischenstaatliche Regelungen sind das eine. Entscheidend aber sind die Begegnungen der Menschen.

1991 zogen erstmals mehr als 20 000 Polen und Deutsche zu einer gemeinsamen Fronleichnamsprozession über die Neiße von Zgorzelec nach Görlitz. Seine Dankesworte nutzte Bischof Huhn vor allem, um für den Ausgleich mit Polen zu werben: "Dresden hat mehr Kunstschätze, Leipzig seine Messe, Rostock seinen Hafen, Köln seinen Dom, aber Görlitz liegt im Schnittpunkt zweier Völker. Dadurch ist ihm die Aufgabe zuteil geworden, Brücke zu sein..

In seinem Selbstverständnis als Brückenbauer nach Osten hat Bernhard Huhn es nie versäumt, auch die Brücke der Eintracht zwischen Christen und Nichtchristen zu festigen.

Bezeichnend für das bischöfliche Wirken Bernhard Huhns war der Festvortrag, den der Oppelner Bischof Dr. Alfons Nossol zum Thema "Schlesien - ein multikulturelles Land, Chancen der Versöhnung" hielt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 46. Jahrgangs (im Jahr 1996).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 22.12.1996

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