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Bistum Dresden-Meißen

Auseinandergerissen

Gedanken nach einem Wochenende für konfessionsverschiedene Ehen

"So etwas brauchen wir, und zwar öfter!" Das war die einhellige Meinung der Teilnehmer eines Wochenendes für konfessionsverschiedene Familien und Ehen Ende September im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz. Für manche von ihnen waren die Tage eine notwendige Vergewisserung in ihrer besonderen Situation, für manche war es fast wie ein neuer Anfang

Warum aber müssen sie sich überhaupt extra treffen? Haben sie denn so besondere Probleme? Sollten sie sich nicht vielmehr in ihre Gemeinden integrieren

Genau das ist der Punkt. In welche Gemeinde sollen sie sich denn intergrieren: in die evangelische oder die katholische? Natürlich in die katholische, werden die Katholiken sagen

Was aber, wenn der evangelische Partner in seiner Gemeinde und in seinem Glaubensformen verwurzelt ist? Wenn er die ihm wertvolle Tradition seiner Kirche ebenfalls seinen Kindern vermitteln möchte? Wenn die fehlende Abendmahlsgemeinschaft die Familien Sonntag für Sonntag auseinanderreißt

Hier tun sich Fragen und Probleme auf, die das Leben in der Familie mitunter schwer belasten können. Und dabei haben die Betroffenen oft das Gefühl, wie eine ungeliebte Randgruppe nirgendwo richtig dazuzugehören

Ist das nicht deren Problem, die das alles doch hätten vorher wissen müssen? Nein, so einfach läßt sich die Frage nicht abtun. Die Trennung ist vorerst das Problem der Kirchen. Sie sind aufgefordert, alles nur mögliche zu tun, um den "Skandal der Trennung" zu überwinden, wie Papst Johannes Paul II. immer wieder betont. Und die Sorge um die von dieser Trennung persönlich Betroffenen sollte darum auch einen besonderen Stellenwert einnehmen

In diese Richtung formulierten die Teilnehmer des Wochenendes auch einige Vorstellungen: Gefragt sei mancherorts ein Bewußtseinswandel in den Gemeinden, so daß ökumenische Familienkreise wie ökumenische Gemeindeveranstaltungen zur Selbstverständlichkeit würden. Ein solches Bewußtsein müßte gefördert werden durch die Pfarrer, die die Ergebnisse der theologischen Suche nach der Einheit an die Gemeinden weitervermitteln sollten. In den Pfarrgemeinderäten sollte es jeweils einen Ökumene-Beauftragten geben, und die Bischöfe sollten die Pfarrer ermutigen, alles zu tun, was möglich ist, um die Last der konfessionellen Trennung zu erleichtern

Passend zum Thema die folgenden Zeilen von Petrus Ceelen

Sie teilen Freud
und Leid miteinander.
Sie sind ein Herz
und eine Seele.
Sie reden zusammen
über Gott und die Welt,
sie beten gemeinsam
an einem Tisch.
Am Tisch des Herrn aber
werden sie getrennt,
auseinandergerissen -
der zerissene Leib Christi.
Was Gott verbunden hat,
soll der Mensch nicht trennen.
Josef Tammer

Da gemeinsame Vergewisserung unentbehrlich ist, gibt es ein nächstes Treffen für konfessionsverschieden

Ehepaare und Familien wieder vom 18. bis 20. September 1998 in Lückendorf im Zittauer Gebirge. Anmeldungen an: Ökumenische Arbeitsstelle, Am Hoch- wald 2, 01324 Dresden, Tel. 03 51 / 2 68 33 08; Fax 03 51 / 2 68 32 14

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 44 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 02.11.1997

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