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Bistum Magdeburg

Alle unter einem Dach

Mutter Teresa

Magdeburg (dw) - Bahnreisende warteten hier Mitte des vorigen Jahrhunderts auf den Zug nach Berlin, zu DDR-Zeiten diente das Gebäude am Magdeburger Zuckerbusch als Umschlagplatz für sowjetische Soldaten, die den Beginn oder das Ende ihrer Dienstzeit in der DDR erwarteten.

Seit fünf Jahren blicken die Mitarbeiter des Magdeburger Diözesan-Caritasverbandes erwartungsvoll auf das Ostufer der Elbe: Am 3. Juni soll hier das Jugend- und Sozialzentrum "Mutter Teresa" eingeweiht werden.


Während sich auf dem Nachbargrundstück noch die Schuttberge türmen, erstrahlt der ehemalige Bahnhof von außen bereits wieder im alten Glanz der Eisenbahn-Gründerzeit. Die Finanzierung des rund acht Millionen Mark teuren Umbaus hat zum großen Teil die Europäische Gemeinschaft aus Projektmitteln für Stadtentwicklung getragen. Die Stadt Magdeburg hatte der Caritas das Gebäude 1993 zur Nutzung überlassen. Für die Inneneinrichtung ist am Charlottentor 31 noch eine Menge zu tun, damit vier katholische Träger mit ihren zum Teil sehr unterschiedlichen Projekten einziehen können. Das Bischöfliche Ordinariat Magdeburg will bereits bestehende Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit in das Zentrum verlagern und erweitern: Unter anderem entstehen ein Jugendclub, eine Medienwerkstatt mit Video- und Audiobereich und kleiner Plakatdruckerei, eine Holzwerkstatt und ein Bandprobenraum.

Das Kolping-Bildungswerk zieht mit einem Ausbildungsangebot für Hauswirtschaftshilfen ein, dessen Herzstück eine große Lehrküche ist. Mit der Jugendsozialarbeit für straffällige Jugendliche, einer Suppenküche, der Kleiderkammer und dem Möbellager für Bedürftige sowie einer Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen wird der Magdeburger Dekanats-Caritasverband vertreten sein. Die Malteser werden ihre Erste-Hilfe-Ausbildung, den Essen-auf-Rädern-Dienst, Reise-Rückholdienst und Jugendarbeit im Zentrum "Mutter Teresa" anbieten. Dr. Heinrich Seppelt wird im Auftrag des Diözesan-Caritasverbandes die Arbeit der Träger koordinieren und darüber hinaus die Aufgaben des Hausmeisters übernehmen. Ob das Haus "angenommen" wird, hängt in seinen Augen in erster Linie von der Atmosphäre ab, die Projektverantwortliche und Mitarbeiter prägen werden, aber auch von der inhaltlichen Ausrichtung. Darüber berät zur Zeit noch eine Mitarbeiterversammlung, der alle Projektträger angehören, die das Jugend- und Sozialzentrum künftig nutzen wollen. Marita Magnucki, die für die offene Kinder- und Jugendarbeit des Bistums Magdeburg verantwortlich ist, sieht das Haus, das so unterschiedliche Träger unter einem Dach vereint, als "Chance für die katholische Kirche". Sie ist allerdings überzeugt, daß noch viele Gespräche notwendig sein werden, damit die Einrichtung erfolgreich arbeiten kann. Am bisherigen Standort, der in Sichtweite des neuen Hauses liegt, werden die katholischen Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit gut genutzt. "Ganz normale Jugendliche, weder links- noch rechtsorientiert, aber mit vielen Problemen, die aus Arbeitslosigkeit, der Schule und dem Elternhaus herrühren", schätzt Marita Magnucki den Großteil derjenigen ein, mit denen sie und ihre Mitarbeiter derzeit Kontakt haben. "Sind Spannungen mit Obdachlosen, die die Suppenküche nutzen, da nicht vorprogrammiert?" fragt sich mancher im Stadtteil. Adelheid Bornhold, Leiterin der Caritas-Suppenküche an der St.-Sebastian-Kirche, gibt zu, daß die Zielgruppen der Projekte unterschiedlich sind: "Wir müssen noch alles in Einklang bringen", sagt sie, bis hin zu einheitlichen Regelungen über das Mitbringen von Hunden oder über Alkoholkonsum im Zentrum.


Zu den Gästen der Suppenküche gehörten auch jugendliche Obachlose, im Durchschnitt zehn bis fünfzehn am Tag, manchmal auch 30. Die Erwachsenen gingen den Jugendlichen, die nachmittags kämen, zwar meistens aus dem Weg, zur Konfrontation sei es bisher aber nie gekommen. Bisher habe sie nicht gehört, daß die Obdachlosen Angst vor der neuen Situation hätten.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 29.03.1998

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