Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Dresden-Meißen

Erzbischof Robu will Toleranz in Rumänien fördern

Leipziger Buchmesse

Leipzig (dw) - Das Zusammenleben der Kirchen in Rumänien war in der Vergangenheit von beispielhafter Toleranz geprägt. Die Christen sollten sich stärker auf diese Tradition besinnen, sagte der katholische Erzbischof von Bukarest, Dr. Ioan Robu, Ende März in Leipzig.

Verfolgungen aus religiösen Gründen habe es in Rumänien selten gegeben. Das Land sei im Laufe seiner Geschichte immer wieder Zufluchtsort geworden für Christen, die anderswo verfolgt wurden. Als Beispiel nannte Bischof Robu, der Vorsitzender der rumänischen Bischofskonferenz ist, die Hussiten und die in der Stalin-Ära verfolgten Unitarier. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus haben die Kirchen wieder eine zentrale Rolle in der Gesellschaft eingenommen und werden in wichtige staatliche Entscheidungen einbezogen. Unter anderem sei an den Schulen flächendeckend Religionsunterricht aller Konfessionen eingeführt worden.

Gleichzeitig seien die Beziehungen der Kirchen untereinander schwieriger geworden. Gegenseitige Vorbehalte und der Vorwurf des Abwerbens von Gläubigen anderer Konfessionen gewinnen Oberhand. Der Blick richte sich zu sehr auf die Ereignisse der Vergangenheit, die das gegenseitige Mißtrauen gefördert hätten und zuwenig auf die Tradition der Toleranz. Die orthodoxe Kirche unterliege der Gefahr, ihren Mehrheitsstatus auszunutzen. Dies gelte nicht für die Basis, sondern nur für die Kirchenleitungen.

Die römisch-katholische Kirche stellt in Rumänien mit einem Anteil von 29 Prozent an der Bevölkerung eine starke Minderheit dar. 59 Prozent der Gläubigen Rumäniens gehören der orthodoxen Kirche, der Rest der griechisch-katholischen Kirche, der evangelischen Kirche und anderen Glaubensgemeinschaften an. Die Kirchen haben unter der sozialistischen Herrschaft weniger gelitten als in anderen Ländern. Fast die gesamte Bevölkerung ist getauft.

Selbstkritisch im Blick auf die eigene Kirche sagte Erzbischof Robu, sie müßte sich noch stärker ins öffentliche Leben einbringen, unter anderem im Einsatz für Straßenkinder und für Arbeitslose. Sie dürfte nicht darauf warten, daß die Menschen zu ihr kämen.

Anlaß seines Besuches war die Leipziger Buchmesse mit dem diesjährigen Länderschwerpunkt Rumänien. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Leipzig liest" stellte er das kürzlich veröffentlichte Tagebuch Msgr. Raymund Netzhammers vor, der von 1905 bis 1924 Erzbischof von Bukarest war. In dieser Zeit wurde die katholische Kirche in Rumänien, die damals mehrheitlich aus Deutschen und Ungarn bestand, als "Kirche der Fremden" betrachtet. Netzhammer setzte sich insbesondere für die Minderheiten ein. Der Benediktiner galt als guter Diplomat und als Universalgelehrter, der unter anderem als Geograph, Physiker, Mathematiker und Archäologe geachtet war.

Das Tagebuch Raymund Netzhammers ist in zwei Bänden erschienen. Zum Preis von 160 DM ist es bei der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft unter Telefon 0228 / 353531 zu beziehen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 12.04.1998

Aktuelle Empfehlung

Der TAG DES HERRN als E-Paper - Jetzt entdecken!

Aktuelle Buchtipps