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Bistum Görlitz

Görlitzer Nikolaikirche

Weltkultur

Görlitz (aug/tdh) - Sie ist die älteste Kirche der Stadt Görlitz, auf ihrem Friedhof liegt einer der berühmten Söhne der Stadt, Jakob Böhme, und jetzt soll sie - so ist es geplant - in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen werden. Die Rede ist von der St. Nikolaikirche.

Die 900jährige Nikolaikirche war ursprüngliche eine Missionskirche des Bistums Meißen. Sie wurde um das Jahr 1100 als erste Hauptkirche der mittelalterlichen Siedlung Gorelic (Bergstadt) errichtet und ist eine der ältesten Kirchen der Oberlausitz überhaupt. Um 1220 entwickelte sich - durch den König von Böhmen gefördert - eine Stadtsiedlung . Eine erste urkundliche Erwähnung von Görlitz als "villa Gorelic" - einer wohl im heutigen Altstadtbereich gelegenen slawischen Siedlung - findet sich bereits 1071 in einer Urkunde Heinrichs IV. Der spätere Name der Stadt Görlitz leitet sich außerdem von einer Fluchtburg "Yscorelik" oberhalb der Neiße ab.

Im Jahre 1303 erhielt Görlitz durch den Markgrafen von Brandenburg Stadtrecht. Am Kreuzungspunkt wichtiger Straßen gelegen, hatte sich die Stadt zu einem angesehenen und bedeutenden Handelszentrum entwickelt. Die Pfarrkirche St. Nikolai war noch im 15. Jahrhundert die Hauptkirche von Görlitz, obwohl sie vor der Stadtmauer lag. Zwischen 1452 und 1520 wurde sie im spätgotischen Stil erneuert und unter Leitung des Renaissance-Stadtbaumeisters Wendel Roskopf d. Ä. vollendet.

Als hervorragendes Werk spätgotischer Plastik und Steinmetzkunst erhebt sich an der Südseite der Kirche ein Portal von 1517 mit einem Kreuzigungsrelief. Rechts und links stehen die Titularheiligen Nikolaus und Katharina unter Baldachinen. Durch die Brände von 1642 und 1717 hat die Kirche stark gelitten. So wurden an ihr verschiedene Veränderungen vorgenommen. Das Innere wurde 1925 zu einer Gedächtnisstätte für die im ersten Weltkrieg gefallenen Görlitzer umgestaltet.

Gegen Norden schließt sich auf steil ansteigendem Gelände der historische, 1310 erstmals erwähnte Nikolaifriedhof an -eine Barockanlage mit Gruftkapellen des 18. Jahrhunderts. Grabmale des Barock und des Klassizismus sind eingebettet in eine malerische Parkanlage mit altem Baumbestand. Hier befindet sich das Grab Jakob Böhmes (1575-1624). Er war Mystiker und ist bekannt durch sein Werk "Aurora oder Morgenröte im Aufgang". Weil er erstmals philosophische Schriften in deutscher Sprache veröffentlichte, wurde er "Philosophus teutonicus" genannt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 16 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 19.04.1998

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