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Bistum Dresden-Meißen

Sein Einsatz für Juden wird in Jerusalem geehrt

Dominikanerpater Arkenau

Leipzig / Dresden (tdh / kna) -Zwei Priester, die im Bistum Dresden-Meißen gewirkt haben und als Christen während der Nazi-Zeit Zeugnis von ihrem Glauben gaben, rücken dieser Tage ins Licht der Öffentlichkeit: Der Dominikanerpater Aurelius Arkenau soll in Israel offiziell geehrt werden. Und für den sorbischen Kaplan Alois Andritzki wird das Seligsprechungsverfahren eingeleitet:

Er soll der zweite deutsche katholische Geistliche werden, der in der israelischen Gedenkstätte "Yad Vashem" als "Gerechter unter den Völkern" geehrt wird. Das entsprechende Prüfungsverfahren wird in den nächsten Wochen abgeschlossen. Doch der Name Aurelius Arkenau ist in Deutschland kaum bekannt.

Während des Zweiten Weltkrieges versteckte der Dominikanerpater im Kloster in Leipzig-Wahren und an anderen Orten Verfolgte des NS-Regimes und rettete ihnen damit das Leben: Juden, Kommunisten, Polen, Deserteuren und Arbeiterpriestern. Eine der Geretteten hat nun mit ihrem Bericht über die Rettung die Ehrung in "Yad Va-shem" möglich gemacht, fast sieben Jahre nach dem Tod Arkenaus am 10. Oktober 1991. Die Initiative ging von den Bündnisgrünen im Stadtrat Leipzigs aus, die auch in einem Band das Leben Arkenaus dokumentierten. Ein weiteres Ergebnis ihrer Bemühungen: Kürzlich wurde im Leipziger Stadtteil Wahren ein Platz nach dem Dominikaner benannt.

Der 1900 im Oldenburger Münsterland geborene Sohn eines Landwirts trat 1921 in den Dominikanerorden ein, 1934 kam der Priester nach Berlin. Nach anfänglicher Sympathie für die Nationalsozialisten wandelte er sich zu einem erbitterten Gegner. 1940 kam Arkenau nach Leipzig. In einem Brief berichtete er später von Umfang und Art der Hilfe: Weit mehr als 100 Menschen seien in Wahren vorübergehend versteckt worden, bis er eine Unterkunft oder falsche Pässe für sie gehabt habe. Manche seien aus Berlin zu ihm geschickt worden. Aber auch Kinder, die in einem nahegelegenen Frauengefängnis geboren worden seien, hätten sie in Privatpflege untergebracht, um sie vor dem Tod zu retten. Die Frau, die nun Zeugnis für den "Gerechten" ablegte, kam mit ihrem kleinen Sohn zu Arkenau, den sie ihren "Schutzengel" nennt. Er besorgte ihr einen Ausweis und eine Unterkunft in Halle, wo Mutter und Kind überlebten.

Sein Hauptmotiv, so Arkenau, sei kein religiöses sondern ein menschliches gewesen: "Ich habe die Nazis gehaßt." Mehr als 20 mal sei er von der Gestapo verhört und auch manchmal geschlagen worden. Durch Zufall erlebte der Dominikaner den Abtransport von Juden in Magdeburg nach Osten. Die grausame Behandlung der Menschen sei für die spätere Hilfe ausschlaggebend gewesen.

Warum sich sein Orden wenig mit Arkenau beschäftigt hat, erklärte der Dominikanerpater Rainer-Maria Groothuis mit mangelndem Interesse an der Geschichte. Groothuis untersucht derzeit für seine Dissertation die Biographien NS-verfolgter Dominikaner. Eine andere Ursache für die bisherige Zurückhaltung könnte seiner Ansicht nach auch die Angst vor der Geschichte sein, denn es habe nicht nur Arkenaus gegeben.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 05.07.1998

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