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Aus der Region

Gastbeitrag

Gedanken zur Fastenzeit

Warum gibt es Fastenzeiten?

Ich sehe dafür vor allem drei Günde: Einmal den, dass es eine alte Menschenweisheit und -erfahrung ist, dass es dem Menschen gut tut an Leib und Seele, sich von Zeit zu Zeit Enthaltsamkeit in Speise, Trank, Vergnügungen usw. aufzuerlegen. Dies bewirkt eine Entschlackung nicht nur des Körpers, sondern auch des Geistes. Er wird leichter, freier, beweglicher. Für uns Christen spielt ferner hinsichtlich des Fastens das Vorbild Christi eine große Rolle, der sich auf sein öffentliches Wirken durch ein 40-tägiges Fasten vorbereitet hat. Hauptbeweggrund aber ist für uns, dass wir uns läutern und vorbereiten wollen auf das Fest der Auferstehung des Herrn, das ja auch für uns immer wieder der Aufbruch zu einem Neubeginn unserer Christusnachfolge sein soll, ein "Anziehen des neuen Menschen".

Kann das Fasten auch nicht Glaubenden gut tun?

Ich denke, dass vernünftiges Fasten jedem Menschen - ob er gläubig ist oder nicht - gut tut, und zwar aus den Gründen, die ich schon nannte: Es entschlackt Körper und Geist. Jeder Mensch weiß, dass zeitweiliges Fasten sehr gesund ist und den Körper nicht nur von überflüssigem Ballast, sondern auch von Giftstoffen befreit. Und schon viele haben die Erfahrung gemacht, dass es auch befreiend wirkt auf den Geist. Er erhebt sich leichter über das Alltägliche, Vordergründige, Banale, streift seine Trägheit und Schwerfälligkeit ab, schwingt sich leichter auf in jene Sphäre, in der es um den letzten Sinn unseres Lebens und die großen Sinnzusammenhänge geht.

Worauf kommt es beim Fasten an?

Mir scheint, allein auf die Gesinnung. Wenn es mir nur darauf ankommt, ein paar Kilo loszuwerden, meine Figur zu verbessern, so denke ich, bringt das nicht viel. (Abgesehen davon, dass ich die paar Kilo schnell wieder dran habe!) Der Beweggrund müsste doch wohl der sein: Mir eine gewisse Buße aufzuerlegen für alles Übermaß und alle Verkehrtheiten, die ich mir geleistet habe, vor allem aber die Umkehr, das heißt, die neue bewusstere Hinwendung zu Gott, die intensivere Kontaktaufnahme mit ihm, die neue Ausrichtung auf seinen Willen, ein neues Sich-öffnen für den Mitmenschen; mit einem Wort: eine energische Kurskorrektur meiner christlichen Existenz auf das Wesentliche hin.

Wie fastet eine Nonne?

Nun, auch da ist ganz normales Fasten, das heißt gewisse Verzichte auf Speis und Trank, angesagt. Sie spielen aber nicht die Hauptrolle. Wesentlicher ist der Versuch, in dieser Zeit so kompromisslos und geradlinig wie möglich auf Gott hin zu leben. Dies soll erreicht werden durch vermehrtes Gebet, vermehrte Schriftlesung, mehr Schweigen, mehr Werke der Nächstenliebe. Und dann kommt da noch etwas dazu, das Sie vielleicht überrascht: die Freude. In unserer Ordensregel steht: "Sie erwarten das Osterfest in der Freude und Sehnsucht des Heiligen Geistes." Und das erscheint mir persönlich als das Wichtigste: Nicht herumzulaufen mit trübseliger Miene: "Wie gräuslich! Ich muss schon wieder einmal fasten!" - sondern mit neuer Begeisterung, neuer Leichtigkeit, neuem Schwung dem auferstandenen Herrn - durch alle Mühsal hindurch - entgegenzulaufen, ja in großer Freude entgegenzufliegen.

Sr. Maria Assumpta Schenkl OCist.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 04.03.2001

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