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Bistum Dresden-Meißen

Tod und Auferstehung multimedial

Geraer Johanneskirche

Gera (leo) - Die Ökumenische Akademie in Gera hat in der dortigen evangelischen St. Johanneskirche die Ausstellung "Vergehen und Werden” eröffnet. Sie zeigt sakrale Gegenwartskunst von acht Künstlern der unterschiedlichsten Gattungen und Stilrichtungen.

Eindrucksvoll windet sich eine weiße Stoffbahn aus einem symbolisierten Grab heraus und klettert empor an einer wackligen Leiter aus unbehauenen Ästen in die Höhe des neugotischen Chorraums der St. Johanneskirche. Das Tuch scheint im Schlußstein des Gewölbes zu verschwinden, doch taucht es an der Rückseite der Kirche wieder auf und neigt sich gen Boden. Diese "Drei Himmelsleitern” von Bernhard Philipp ist wohl die eindrucksvollste Rauminstallation der Ausstellung und bezieht den gesamten Kirchenraum ein.

Gunnar Berndsen, Pfarrer und Geschäftsführer der Ökumenischen Akademie, erläutert, der Chorraum werde hier "als Raum des Heils und der Auferstehung” genutzt. Durch die Darstellung von Auferstehung aus dem Grab und Wiederkehr zur Erde, vergleichbar mit Ostern und Pfingsten, verdeutliche sie das Thema der Ausstellung "Vergehen und Werden”. Es werde gezeigt, daß der Tod nicht das Ende bedeute, sondern neues Leben zu erwarten ist. Die Umkehr der Redewendung, die im Volksmund eher auf das Ende des Lebens verweist, sei das Programm der Ausstellung.

Die Videoinstallation "Die versteinerte Legende" von Horst Sakulowski betreibt ein bizarres Spiel mit Klängen, Farbe und Licht. Durch ständige Überblendungen verschwimmen surrealistische Welten aus Wolken, Eis oder Unterwasserlandschaften ineinander, werden kombiniert und in Beziehung zueinander gesetzt - ein stetes Kommen und Gehen, untermalt mit sphärischen Synthesizer-Klängen. Steinzeitliche Höhlenmalereien formen sich um zu Industrieruinen, die im nächsten Augenblick als absurde Unterwasserwelt erscheinen. Eine mittelalterliche Ikone wird in einer Einstellung neben eine rostige Turbine gestellt, deren Muster erneut in einer versteinerten Schnecke auftaucht. Nur selten sind konkrete Gegenstände erkennbar, die durch den laufenden Wechsel der Farben, Klänge und Bildausschnitte sofort fragwürdig werden.

Unbetitelte Fotografien von Andreas Bley zeigen Installationen im Freien: Ein einsamer Koffer auf der löchrigen Straße einer Geisterstadt thematisiert Verlassen und Abschied, eine Engelsgestalt in der Fensterhöhle einer eingefallenen Villa wiedererwachendes Leben. Noch düsterer scheinen die Collagen von Henry Steinmetz: Durch Übermalen und Überkleben verschiedener Materialschichten gelingt ihm eine düstere, drastische Todesdarstellung.

Farbenfrohe Ölmalereien des Südafrikaners Arnaud Malan bannen hingegen eine explosive Lebendigkeit auf das Leinen und sollen eine Begegnung zwischen Afrika und Europa symbolisieren. Eindrucksvoll erhebt sich Malans "Magier" - eine halb abstrakte Darstellung des Auferstandenen - aus einer chaotischen Umwelt und vereinigt Lebensenergie und Kraft mit Elementen von Tod und Zerstörung.

In der Taufkapelle der Kirche sind verschiedene Holzplastiken von Hilde Weiss zu sehen. Christliche Motive wie die Kreuzigungsgruppe, der zweifelnde Thomas oder der auferstandene Christus nutzen die natürliche Struktur des Holzes. Trauer wird durch wenig bearbeitetes oder verbranntes Holz dargestellt.

Der Kantor und Musiktherapeut Christoph Schwabe zeigt farbenfrohe Musikassoziationen zu den letzten Choral-Bearbeitungen der Johannes-Passion Bachs. Die Graphikerin Ute Rückert verdeutlicht in einer klar strukturierten Pastell-Malerei die Folge von Tod und Auferstehung.

Die Ausstellung in der Johanneskirche in Gera ist täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen sind immer sonntags um 11 Uhr.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 48. Jahrgangs (im Jahr 1998).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 19.07.1998

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