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Bistum Magdeburg

Caritas-Arbeit auf dem Schlachthof

Glüsig

Glüsig (jh) - Die Caritas im Dekanat Magdeburg hat seit kurzer Zeit eine Schlachterei. Darüber hinaus gehören unter anderem noch ein mobiler Verkaufswagen und ein Partyservice zu der GmbH, die kürzlich in Glüsig, einem Dorf in der Nähe von Haldensleben, gegründet wurde

1992 hatte die Caritas die ehemals volkseigene Hofanlage in Glüsig gekauft, die auf ein Zisterzienserinnen-Kloster zurückgeht. Seither arbeiten auf dem Hof Menschen, die auf dem freien Arbeitsmarkt kaum eine Beschäftigung finden: schwervermittelbare Langzeitarbeitslose, Haftentlassene, auch Spätaussiedler. Einige straffällige Jugendliche leisten hier gemeinnützige Arbeit

Zum Hof gehören zirka 125 Hektar Land, die ökologisch bewirtschaftet werden. Die Mitarbeiter bauen Obst und Gemüse an, das Futter für die Tiere auf dem Hof erzeugen sie selbst. Viele der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft wurden über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) gefördert. 1997 stand der Caritas-Hof vor einem Problem: ABM für die Landwirtschaft wurden nicht mehr genehmigt. So setzten sich Vertreter der Caritas mit Wirtschaftsberatern zusammen. Das Ergebnis ist die "Gut Glüsig GmbH - Erzeugung und Vermarktung von Bioland-Produkten", wie das Unternehmen vollständig heißt

Die neue GmbH und das bereits "eingesessene" Arbeitsprojekt "Gut Glüsig" sind genaugenommen "zwei verschiedene Paar Schuhe". Die Arbeit haben sie sich aufgeteilt. Das Arbeitsprojekt läuft weiter, da ABM-Stellen für den Bereich Umweltpflege genehmigt wurden. Auch Sozialhilfeempfänger können hier sogenannte "Hilfen zur Arbeit" bekommen

Die 25 bis 30 Leute, die durch das Projekt auf dem Hof sind, kümmern sich um den Frucht-Anbau und die Tierhaltung. Für all das, was mit der Schlachtung der Tiere und der Vermarktung der Lebensmittel zu tun hat, sind die zehn fest Angestellten der GmbH zuständig. Die Produktpalette ist sehr reichhaltig. Fleisch und Wurst vom Rind, vom Schwein und vom Lamm und frische Eier von "glücklichen" Glüsig-Hühnern sind genauso im Angebot wie verschiedene Obst- und Gemüsearten

Sieben der Beschäftigten des jungen Unternehmens gehören zum sogenannten benachteiligten Personenkreis. Sie sind über 45 oder unter 25 Jahre alt, haben eine abgeschlossene Berufsausbildung und waren vor ihrer jetzigen Anstellung arbeitslos. Deshalb wird der Betrieb in den ersten vier Jahren teilweise finanziell gefördert

Neben Angestellten in der Verwaltung sind in der Schlachterei ein Fleischermeister und ein Geselle beschäftigt. Im Hofladen, der direkt auf dem Gutsgelände ist, arbeitet eine Verkäuferin. Hier kann jeder einkaufen und sich vom Geschmack der Glüsiger Ökoprodukte überzeugen. Für die wärmere Jahreszeit ist ein Café auf dem Hof geplant

Im Partyservice arbeiten zwei Verkaufsfahrer. Und mit einem mobilen Verkaufswagen werden ab Anfang 1999 viele Ortschaften rund um Glüsig angefahren. In jeden Briefkasten der umliegenden Dörfer soll ein Plan mit den Terminen kommen, wann und wo der Wagen für die Kunden bereitsteht

Auszubildende gibt es im Moment noch nicht in der Caritas-GmbH, aber für die Arbeit im Verkaufswagen ist eine solche Stelle ins Auge gefaßt. Praktikanten können schon jetzt für ein paar Wochen in dem mobilen Laden mitfahren und die Arbeit näher kennenlernen

Seit November arbeitet der Betrieb teilweise. Im Januar steigt er voll "in das Geschäft" ein. Vorher, erzählt Hans Könecke, Geschäftsführer der Caritas für das Dekanat Magdeburg, hätten die Mitarbeiter den Verkaufswagen noch nicht vollständig bestücken können. Denn die Nachfrage der Käufer im Hofladen, der schon längere Zeit zum Gut gehörte, ist sehr groß

Die GmbH-Gründung feierte der Dekanats-Caritasverband mit Vertretern der Diözese, des Landes, verschiedener Institutionen und mit Freunden am 18. Dezember

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 1 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.01.1999

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