Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Erfurt

Propst Durstewitz fordert Bündnis für die Familie

Heiligenstadt

Heiligenstadt (ep) - Der Bischöfliche Kommissarius für das Eichsfeld, der Heiligenstädter Propst Heinz-Josef Durstewitz, hat ein Bündnis für die Familie gefordert. Bei einem Neujahrsempfang des Bischöflichen Kommissariats für politische Mandatsträger in Freistaat, Landkreis und Kommunen sagte Durstewitz: "Die Situation ist höchst brisant. Neben einem Bündnis für Arbeit ist dringend ein Bündnis für Kinder und Jugend nötig. Das aber gelingt nicht ohne ein Bündnis für die Familie."

"Immer weniger", so Durstewitz weiter, "scheint die Weitergabe der Ziele unserer Gesellschaft an die Kinder und Jugendlichen zu gelingen. Sie favorisieren nicht selten Meinungen, die uns erschrecken lassen." Materieller Wohlstand und das, was junge Leute sehen, sei für sie nicht selten genug langweilig. Stattdessen müßten sie "gefordert werden, sich in Grenzen zu bewähren". Um die Kinder und Jugendlichen zu erreichen, müsse die Familie wieder stärker in den Blick kommen. "Jegliche Planung in der Gesellschaft müßte nach der Rolle der Familie fragen ...."

Die Amtsträger in Staat, Landkreis und Kommune forderte der Bischöfliche Kommissarius auf, stets die Schwachen im Blick zu haben: "Der Staat hat keinen anderen Sinn als für die Schwachen da zu sein." Durstewitz weiter: "Wenn die einfachen Leute oder Familien mit mehreren Kindern zum Beispiel durch die Kosten oder Eintrittspreise ausgeschlossen werden, wenn sie ungebührlich belastet werden, dann hat aller Glanz eines Gemeinwesens seinen Sinn verloren." Die Schwachen bedürften der unterstützenden Hilfe des Staates gerade auch angesichts des "zunehmenden Reichtums und der zunehmenden Armut". Die Solidarität habe die Bundesrepublik in ihrer Aufbauphase so stark und einmalig gemacht, so Durstewitz. "Wir müssen den Eindruck vermeiden, daß sie nun die Luxuswohnung der wohlhabenden Singles, Fußballstars und Regierungsbeamten wird, die gar nicht mehr wissen, wie mühsam Geld verdient wird." Durstewitz beklagte, viele Menschen seien sich der Kostbarkeiten der Freiheit und des Wohlstandes nicht mehr bewußt. Stattdessen greife eine Spielermentalität um sich, die den Kitzel des Unbekannten und der Gefahr sucht und das Leben von Menschen aufs Spiel setzt. Hier sei dringend eine Veränderung im Fühlen und Denken notwendig

Der Bischöfliche Kommissarius dankte allen für das Allgemeinwohl Verantwortlichen für ihren Einsatz. Sie seien häufig einer oberflächlichen und billigen Kritik ausgesetzt, die nicht selten Entmutigung und Resignation erzeuge. "Es ist eine urchristliche Forderung, seine Talente für das Gemeinwohl mutig zu gebrauchen. Die den Versuch unternehmen, sollen der wohlwollenden Begleitung der kirchlichen Verantwortlichen sicher sein", so Durstewitz

Der evangelische Pfarrer von Heiligenstadt, Martin Herche, erinnerte in einem Grußwort an das Engagement vieler Freiwilliger für das Gemeinwohl. Er wünschte den Politikern Mut zu Entscheidungen, die in Verantwortung vor Gott und den Menschen getroffen seien. Der Landrat des Eichsfeldkreises, Werner Henning, warnte vor einem schleichenden Prozeß der Einebnung des Christentum neben viele andere Anbieter in der Gesellschaft. Die Erste Beigeordnete des Kreises, Martina Gatzemeier, mahnte für 1999 Maßnahmen kommunaler Beschäftigungspolitik an. Sie dankte für die gute Zusammenarbeit mit kirchlichen Einrichtungen. Nach Auffassung des Europaabgeordneten Rolf Berend kommt besonders der Kirche im geeinten Europa die Aufgabe zu, an der geistigen Brücke der Einigung zwischen den Völkern zu bauen. Thüringens Kultusminister Dieter Althaus erinnerte daran, die heute gegebene Freiheit als Chance zu begreifen. Angesichts des wachsenden Pluralismus sei für jeden eine geistige Heimat wichtig

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 24.01.1999

Aktuelle Empfehlung

Der TAG DES HERRN als E-Paper - Jetzt entdecken!

Aktuelle Buchtipps