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Bistum Erfurt

Grüne und goldene Hochzeit zusammen gefeiert

Nordhausen

Nordhausen (cb) - Eigentlich hatten sie nur mit zehn oder zwölf Gästen gerechnet bei diesem für die 69jährige Antonina und den 73jährigen Leo Gütlein so bedeutsamen Fest. Am Ende war die Krypta des Nordhäuser Domes bis auf den letzten Platz besetzt. Die da gekommen waren, nahmen im Wissen um die nicht leichte Lebensgeschichte dieses Paares herzlich Anteil an dessen Freude

Kirchenrechtlich war die Situation klar: Die beiden hatten vor 50 Jahren im Standesamt von Kospaschski geheiratet. Ein Priester war nicht zu erreichen, auch in den folgenden Jahren nicht; Zeugen schrieb das damalige sowjetische Familienrecht nicht vor. Eine kirchliche Eheschließung (oder eine anzuerkennende Nottrauung) hatte es also nicht gegeben. Antonina und Leo Gütlein aber hatten von Anfang an in ihrer glaubensfeindlichen Umwelt ihre Ehe und ihr ganzes Leben aus Gottes Hand angenommen. Vier Kindern schenkten sie das Leben, sechs Enkelkinder haben sie

Am l9. Juli 1996 kamen sie nach Deutschland, und damit dorthin, wo Leo Gütleins Wurzeln waren. Nun waren sie in den Dom gekommen und feierten mit ihren Gästen Heirat und goldene Hochzeit in einem. Für die Gäste, die wie Antonina Gütlein kaum deutsch verstanden, wurden Teile der Liturgie ins Russische übersetzt. Mag sich Wehmut um die vergangenen schweren Jahre und um die noch in Rußland lebenden Kinder in die Freude gemischt haben - es gab eigentlich nur frohe, zufriedene, ja glückliche Gesichter

Als Antonina Gütlein gefragt wurde, ob sie ihren Mann lieben, achten und ehren wolle, bis der Tod sie scheide, da legte sie mit einer typisch russischen Geste die rechte Hand auf ihr Herz, machte eine kleine Verbeugung vor ihrem Mann und sagte: "Da, sa wsju shisnj." ("Ja, ein ganzes Leben lang.")

Und dabei lag ein Lächeln auf ihrem Gesicht, das ihr sicher auch vor 50 Jahren schon gut gestanden hat. Dieses "Da, sa wsju shisnj" aber war ein Ja zu den vergangenen 50 Jahren genauso wie zu der noch geschenkten Zeit. Möge sie noch recht lange dauern!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 28.03.1999

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