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Aus der Region

Zunächst Kooperation statt Integration

Hochschul-Fusion

Erfurt (ep) - Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) hat den Rektor der Universität Erfurt, Peter Glotz, gebeten, Verhandlungen über eine Kooperation mit der katholischen Hochschule "Philosophisch-Theologisches Studium Erfurt" aufzunehmen. Zuvor hatte der Erfurter Bischof Joachim Wanke mitgeteilt, die ostdeutschen Trägerbischöfe des Philosophisch-Theologischen Studiums seien vom Vatikan zu "Vorsondierungen" über eine Integration der Hochschule in die Universität autorisiert worden

Trotz der nun beginnenden Kooperationsverhandlungen halte der Freistaat Thüringen weiterhin an der Absicht fest, an der Erfurter Universität eine katholisch-theologische Fakultät zu errichten, teilte die Thüringer Landesregierung in Erfurt mit. Die Vereinbarungen sollten deshalb so ausgestaltet werden, daß sie einer künftigen Integration des Philosophisch-Theologischen Studiums nicht entgegenstünden

Nach Angaben des Rektors der katholischen Hochschule, Professor Michael Schramm, geht es dabei zunächst um die Mitarbeit des Philosophisch-Theologischen Studiums im Rahmen der religionswissenschaftlichen Studienrichtung der Philosophischen Fakultät der Universität ab Wintersemester 1999/2000. Außerdem solle sich die Hochschule an einem an der Alma mater angebotenen interdisziplinären "Studium fundamentale" beteiligen, das für alle Studenten der Universität als Nebenstudiengang verpflichtend sein werde

Bischof Joachim Wanke hatte sich kürzlich bei einem Jahrespresseempfang des Bistum zum Stand der Bemühungen um die Zukunft des Philosophisch-Theologischen Studiums geäußert. "Nach einer Phase der innerkirchlichen Abstimmung" habe Rom nun grünes Licht für "Vorsondierungen" hinsichtlich einer Integration in die Universität gegeben. Bei den Verhandlungen gehe es darum, "Standards zu halten", die in Deutschland für katholische Fakultäten üblich sind, sagte Wanke auf Anfrage. Es sei nicht einfach, Aspekte des staatlichen deutschen Hochschulrechtes wie etwa die Betonung der Freiheit der Lehre mit den weltweiten innerkatholischen Studienbedingungen in Einklang zu bringen. Er selbst, so der Bischof, sei nach wie vor für die Integration und sehe gerade in Erfurt "gute Chancen für das fakultätenübergreifende Gespräch". Es gebe aber durchaus auch "ein latentes kirchliches Mißtrauen", die Kirche begebe sich durch staatliche katholische Fakultäten "in Abhängigkeiten". Daß es in Polen (Oppeln, Posen, Krakau) und in Kroatien (Zagreb) vergleichsweise sehr schnell zur Errichtung neuer katholischer Fakultäten gekommen ist oder kommt, liege daran, daß dies zu für die Kirche "anderen Konditionen" möglich ist

Unabhängig von der rechtlichen Form des Philosophisch-Theologischen Studiums Erfurt sei die Notwendigkeit der "Präsens katholischer Theolgie an einer Hochschule wenigstens an einem Ort in den neuen Bundesländern innerkatholisch unbestritten", sagte der Bischof vor den Medienvertretern. Er sei "sehr zuversichtlich, daß die Zukunft des Philosophisch-Theologischen Studiums auch längerfristig gesichert werden kann" und hoffe "vielleicht doch noch auf die Integration"

Der Vatikan hatte sich im vergangenen Sommer gegen eine Integration ausgesprochen und statt dessen für eine weitgehende Kooperation beider Einrichtungen plädiert. Für die Integration haben sich neben Landesregierung und Universität auch die Deutsche Bischofskonferenz und der Deutsche Wissenschaftsrat ausgesprochen

Zur Homepage des Philosophisch-Theologischen Studiums Erfurt

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 11.04.1999

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