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Bistum Erfurt

Auf dem Pilgerweg 2000 als Gemeinde unterwegs

Mühlhausen

Mühlhausen (ep) - Unter dem Motto "Pilgerweg 2000" haben die katholischen Christen von Mühlhausen über fünf Wochen hinweg gemeinsam ein Stück Gemeinde-Lebens-Weg zurückgelegt. Mit unterschiedlich gestalteten Sonntagsgottesdiensten, mit geistlich-thematischen Abenden, aber auch auf gesellige Weise mühten sie sich darum, sich neu auf die christliche Botschaft einzulassen. Der Pilgerweg endete am 4. Juli mit einer Gemeindewallfahrt zum Hülfensberg

"Die Wegstationen zwischen Vortrag und Kabarett, Gottesdienst und ,Wegweisungen' sollten Treffpunkte sein, an denen jedem von uns klarer wird, was unser Glauben und Hoffen ausmacht", sagte der Pfarrer der St. Josef-Gemeinde in Mühlhausen, Stadtdechant Gregor Arndt

Den Auftakt hatte am 6. Juni die Fronleichnamsmesse und das anschließende Gemeindefest gegeben. An den darauf folgenden Montagen fanden jeweils am Abend "Wegweisungen" statt: Aus Mühlhausen stammende Seelsorger erzählten aus ihrem Leben, von ihrem Glauben und von ihrem Dienst. Pfarrer Hermann Bittner aus Bodenrode zum Beispiel motivierte die Mühlhausener, immer wieder einmal im eigenen, auch ganz gewöhnlichen Alltagsleben nach Gottes Gegenwart Ausschau zu halten, denn es seien nicht selten die ganz zufälligen Begegnungen, in denen Gottes Nähe erfahrbar ist. Franziskaner-Pater Wolfgang Schönberg aus Halle an der Saale ermutigte dazu, sich selbst mit den eigenen Krankheiten und Leiden zu konfrontieren und auf kranke und leidende Menschen zuzugehen, weil daraus Hoffnung auf Gott hin erwachse. Und Pfarrer Peter Matheis aus Erfurt erzählte, welche frohmachende Erfahrung der Zuwendung Gottes es ist, wenn sich ein Seelsorger von seiner Gemiende getragen weiß. Am 10. Juni hatte sich die Gemeinde den Erfurter Alttestamentler Georg Hentschel eingeladen. Hentschel sprach auf dem Hintergrund alttestamentlicher Texte über den Umgang mit den Begrenzungen des eigenen Lebens und ermunterte zur Gelassenheit auch auf dem Weg ins neue Jahrtausend

Jeder Sonntagssgottesdienst im Juni hatte einen besonderen Schwerpunkt: Am 13. Juni feierte die St.-Josef-Gemeinde mit der Gruppe "Gospellocomotion" aus Engelsdorf bei Leipzig eine Gospelmesse. Dabei standen besonders die Sakramente der Taufe und Firmung im Mittelpunkt. "Es war ein echtes Fest", ist Pfarrer Arndt noch immer begeistert. "Wir haben mit Freude die Spirituals mitgesungen. Die Kirche war voll und man konnte wirklich den belebenden Geist Gottes spüren". Am 20. Juni gestalteten der Kirchenchor und ein Orchester der Musikschule Mühlhausen die Eucharistiefeier mit der Aufführung der "Deutschen Messe" von Franz Schubert. Thematisch ging es um die Sakramente der Buße und Krankensalbung. "Dabei haben auch 40jährige und jüngere Gemeindemitglieder emotional etwas von dem Trost erfahren, der in der Liedzeile ,Wohin soll ich mich wenden' ausgedrückt ist und im Bußsakrament zugesagt wird", sagt Stadtdechant Arndt. Neue geistliche Lieder prägten die heilige Messe am letzten Junisonntag. Kinder und Eltern - insgesamt 15 Leute - führten gemeinsam eine Peter-Janssens-Messe auf. Der Gottesdienst endete mit dem irischen Lied "Möge die Straße ..." und war zugleich Einladung für die Gemeindewallfahrt

Die fand am 4. Juli statt. Rund 350 Gläubige nahmen teil. Gut 200 davon machten sich den neun Kilometer weiten Weg vom Katharinenberg hoch zum Hülfensberg auf den Weg. Die Strecke führte entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze und ließ frohe und auch manche schmerzhafte Erinnerung in den Wallfahrern wach werden. Ein dunkles Holzkreuz, das die Gemeinde die ganze Wochen über bei sich geführt hatte, wurde jetzt vorangetragen. Unterwegs wurde in Stille von jedem einzelenen Fürbitte gehalten. Vom Regen naß geworden, trafen die Fußwallfahrer schließlich auf dem Hülfensberg mit weiteren rund 150 bis 180 Pilgern zusammen, die mit Bussen bis nach Döringsdorf gefahren waren. Hier fand um 11 Uhr ein Festgottesdienst statt. Kaplan Andreas Friedel ermutigte die Wallfahrer in seiner Predigt, ganz auf Gott zu vertrauen und sich und andere nicht nach Erfolg und Fähigkeiten zu beurteilen. Nach einem gemeinsamen Imbiß bildete eine Andacht mit sehr persönlichen Glaubenszeugnissen den Abschluß. Frauen und Männer baten Gott um Hilfe für ihr je eigenes Engagement für Menschen ohne Arbeit, für Menschen in armen Ländern der Welt, für psychisch und seelisch behinderte Menschen. Eine Religionslehrerin ermutigte die Gemeinde, sich mit für guten Religionsunterricht zu engagieren, ein Mann dankte für gute ökumenische Erfahrungen und bat Gott um noch mehr Einheit unter den Christen

"Unser ,Pilgerweg 2000' hat jeden einzelnen in seinem Glauben bestärkt", davon ist Pfarrer Gregor Arndt überzeugt. Zudem seien die Gemeindeglieder aus Mühlhausen durch die gemeinsamen Erfahrungen enger zusammengerückt. "Wir haben gemerkt, daß wir uns eine Menge zu erzählen haben."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 18.07.1999

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