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Bistum Magdeburg

Schwestern der Christlichen Liebe feiern 150. Geburtstag

Magdeburg

Magdeburg (dw) - "Schwestern der Christlichen Liebe" - Von diesem Namen hatte sich die Magdeburger Gemeindereferentin Schwester Maria Vianney Franz als junge Frau angezogen gefühlt. Ein moderner Ordensname, der auf das Wesentliche des christlichen Glaubens hinzielt, fand sie. 1963 schloss sich die Sauerländerin den Schwestern an. Zu viert haben sie 1991 vom Westteil des Erzbistums Paderborn aus an die seit dem Zweiten Weltkrieg unterbrochene Magdeburger Tradition ihrer Gemeinschaft angeknüpft: Maria Vianney Franz arbeitet in der Pfarrseelsorge der Magdeburger St.-Agnes-Gemeinde. Caritona Stommel gibt am bischöflichen Norbertus-Gymnasium Musikunterricht und leitet Instrumentalgruppen. Meinrada Krause ist in einer Caritas-Sozialstation tätig, und Quintina Lescheck ist als Rentnerin der "gute Hausgeist" der kleinen Gemeinschaft

Wenn die vier Schwestern nicht gerade ihren unterschiedlichsten Beschäftigungen nachgehen, pflegen sie im einstigen Wohnhaus von Bischof Johannes Braun klösterliches Gemeinschaftsleben. Meistens sind es allerdings nur die frühen Morgenstunden, die die Frauen gemeinsam verbringen können. In der Regel beginnt der Tag um 6.20 Uhr mit dem Laudes-Chorgebet. Frühstück und Messbesuch schließen sich an

In den katholischen Gemeinden und an ihren Arbeitsplätzen sind die Schwestern der Christlichen Liebe sehr offen aufgenommen worden. Mancher ältere Magdeburger konnte sich sogar noch an ihre Vorgängerinnen erinnern, die bis zum Zweiten Weltkrieg gegenüber der St.-Sebastian-Kirche eine Schule leiteten. Wenn sie allerdings mit ihren Ordenskleidern auf dem Fahrrad oder in der Straßenbahn unterwegs sind, merken sie immer wieder, dass sie anders als in Paderborn oder Attendorn keinesfalls selbstverständlich zum Stadtbild dazugehören. Die brennende Zigarette, die jemand in der Straßenbahn auf ihrem Schleier ausgedrückt hat, ist Schwester Meinrada in bleibender Erinnerung. Schwester Caritona ist schon mehrfach von Jugendlichen und Erwachsenen Männern angepöbelt worden. Kinder falten mitunter spöttisch die Hände und versuchen ein Kreuzzeichen, wenn sie sie auf dem Fahrrad vorbeifahren sehen. Manchmal steigt sie dann vom Rad und spricht mit den Kindern. "Unkenntnis und das Bedürfnis, sich gegen Fremdes zu wehren" steckt hinter so feindseligen Verhaltensweisen, vermutet Caritona Stommel. Sie hält die wachsende Fremdheit gegenüber Religion allerdings für ein Phänomen, das nicht auf Ostdeutschland beschränkt ist. In Dortmund, wo Caritona mehr als 30 Jahre gelebt hat, traf sie beispielsweise wiederholt auf junge Mütter, die ihren Kindern keine Antwort geben konnten, wenn sie nach dem Ordenskleid der Schwestern fragten

Ganz verschieden sind die bisherigen Lebenswege der vier Schwestern verlaufen. Gemeinsam ist ihnen eine große Sympathie für die Gründerin ihrer Kongregation, die Westfälin Pauline von Mall../../inckrodt. Im vorigen Jahrhundert hatte die Tochter eines preußischen Finanzdirektors sich von Paderborn aus vor allem blinden Mädchen gewidmet. Noch zu Lebzeiten war die von ihr gegründete Gemeinschaft nicht nur bis nach Magdeburg gelangt, sie hatte sich sogar in Amerika verbreitet. Ihre liebevolle Zuwendung zu den Menschen, ihren Grundsatz, niemanden abzuweisen, die ausgewogene Balance zwischen kontemplativen und sozial engagiertem Leben und nicht zuletzt den feinen Humor halten die "Mall../../inckrodt-Schwestern" bei ihrer Gründerin für nachahmenswert. Wenn sie ihrer Arbeit nachgehen, Besuch empfangen oder bei einem Vortragsabend ihre Gemeinschaft vorstellen, bemühen auch sie sich, fürsorglich auf jeden einzelnen Menschen einzugehen

Wenn in diesen Tagen in Paderborn das 150jährige Bestehen der Gemeinschaft gefeiert wird, sind die vier Magdeburgerinnen mit dabei, lebendige Brücken zwischen der westfälischen Katholikenhochburg, die in diesem Jahr ganz unter dem Zeichen des 1200. Bistumsjubiläum steht, und der Magdeburger Diaspora

Auch zu DDR-Zeiten war die Verbindung zwischen Paderborn und Magdeburg nie ganz abgerissen, obwohl die Gemeinschaft eine Niederlassung nach der anderen schließen musste.Vom Paderborner Provinzhaus aus wurden über Jahre hinweg zahlreiche Westpakete in die DDR geschickt. Zahlreiche Schwestern standen im Briefwechsel mit Christen im Bischöflichen Amt Magdeburg. Als Schwester Maria Vianney 1991 in der St.-Agnes-Gemeinde eintraf, stellte sie zu ihrer Überraschung fest, dass sie den früheren Pfarrer Heinrich Behrens und seine Haushälterin schon seit Jahren in ihrem Adressbuch stehen hatte. Schwester Caritona hatte von Dortmund aus in einer Menschenrechtsgruppe mitgearbeitet und pflegte Kontakte zu DDR-Ausreisewilligen. Eine ganz besondere Beziehung zu ihrer heutigen Wirkungsstätte hat Schwester Quintina: Sie stammt aus Schlesien, war durch die Flucht Ende des Zweiten Weltkrieges nach Magdeburg gekommen und machte hier eine Ausbildung zur Fürsorgerin. Auf der Suche nach einer geeigneten Ordensgemeinschaft wurde sie - ähnlich wie Schwester Maria Vianney - auf den Namen "Schwestern der Christlichen Liebe" aufmerksam. Um der Gemeinschaft beitreten zu können, ging sie zunächst nach Wanzleben und schlug sich schließlich bei Nacht und Nebel über die "grüne Grenze" nach Paderborn durch

Nach der Wende sah die Provinzobere ihre Kongregation aufgrund der historischen Verbindung in einer besonderen Verantwortung für die ostdeutsche Diaspora. Als eine der ersten Gemeinschaften gründeten die Schwestern der christlichen Liebe in den neuen Bundesländern eine Niederlassung

Höhepunkt der Jubiläumsfeiern ist am 22. August ein Begegnungstag, zu dem die Schwestern in ihr Mutterhaus einladen. Beginn ist um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, den der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode zelebriert. Am 21. August wird Bischof Leo Nowak um 10 Uhr mit den Schwestern eine Messe in der Mutterhaus-Kapelle feiern

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 22.08.1999

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