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Bistum Erfurt

Ein agiler Kreis auch nach 40 Jahren

Rückblick

Familienkreis Bad Kösen / Jena (cbr) - "Lasst uns einen Kanon singen." Norbert Frost lacht und mit ihm die 64 Frauen und Männer, die heute das 40-jährige Bestehen ihres Familienkreises im Konrad-Martin-Haus in Bad Kösen feiern. Sie singen gern, und es ist bei ihren Treffen Tradition geworden, jedes Mal auch einen Kanon zu singen. Aber nicht nur das Singen lässt die 55- bis 70-Jährigen der Jenaer Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist noch immer regelmäßig zusammenkommen. Über die 40 Jahre ist Gemeinschaft gewachsen

Begonnen hat alles 1959. "Die meisten kannten sich von unserer katholischen Jugendgruppe her", erzählt Jupp Fruntke, der mit seiner Frau den Kreis noch heute leitet. "Nach der Heirat fehlte uns dieses Zusammensein. Wir waren sehr gemeinschaftsbezogen, was nicht zuletzt durch die Folgen des Krieges bedingt war. So entstand die Idee, einen Familienkreis zu gründen."

Der damalige Jenaer Pfarrer Aloys Mohn unterstützt das Anliegen. Bald versammeln sich die ersten zwölf Ehepaare alle vier Wochen im Gemeinderaum zu Vorträgen. Verschiedene Pfarrer und Kapläne werden dazu eingeladen. Die Themen reichen vom Lichtbildervortrag über die Priesterausbildung und dem Vortrag über Wunder bis zu Themen wie "Was ist Befreiungstheologie", "Wir und die Gesellschaft - neue Herausforderungen" oder "Die neue Pastoral heute" in den achziger Jahren. Daneben stehen immer auch Fragen der jungen Familien im Mittelpunkt: Familienplanung. Sollen die Kinder zur Jugendweihe gehen, der Sohn zum Wehrdienst? "Wir haben natürlich auch miteinander diskutiert", erinnert sich Herbert Strosche. "Obwohl wir unterschiedlicher Meinung waren, akzeptierten wir die Entscheidung der anderen." Und Annelies Arndt ergänzt: "Zu DDR-Zeiten war der Zusammenhalt ganz wichtig für uns. In den Räumen der Kirche konnten wir offen miteinander sprechen, was im Alltag oft nicht möglich war. Wir haben uns im Familienkreis gegenseitig getragen."

Das Miteinander spielt eine wichtige Rolle: Sommerliches Rostbrätlgrillen und fröhlichen Nikolaus- und Faschingsfeiern mit den Kindern genauso wie der Beistand in schwierigen Situationen, zum Beispiel bei Sterbefällen. Die Verabschiedung der jungen Männer, die ihren Dienst bei der Nationalen Volksarmee der DDR beziehungsweise als Bausoldaten antreten müssen, wird zur Tradition. Inzwischen ist der Elternkreis gewachsen. Ehepaare, die nach Jena gezogen sind und regelmäßig in die Gemeinde kommen, werden angesprochen. So auch Hanna und Georg Zuber: "Wir sind vor 15 Jahren dazugestoßen. Die Themen, die Gemeinschaft, die Ausflüge haben uns dabeibleiben lassen." Daneben gründen sich neue Familienkreise, jüngere. Und manche Kinder des Ursprungskreises sprechen nun dort über die eigenen Kinder

Der Familienkreis I besteht noch immer - obwohl die meis-ten Mitglieder heute zwischen 55 und 70 Jahre alt sind. Was damals mit der Suche nach Gemeinschaft begann, ist auch im Alter wichtig. Viele bleiben auch dabei, wenn der Ehepartner gestorben ist. Die Themen sind andere, Fragen des eigenen Alterns gewinnen an Wichtigkeit. In der Gemeinde sind viele der Mitglieder bis heute aktiv, arbeiten in der Gemeindevertretung, als Elisabethfrauen, bei der Kirchenreinigung mit oder backen für das Gemeindefest Kuchen

Wie wird es mit dem ältesten Familienkreis von St. Johannes Baptist weitergehen? Dr. Karl-Heinz Ducke, der jetzige Pfarrer der Gemeinde, lacht: "Beim Familienkreis I habe ich keine Befürchtungen. Für neue Impulse sorgt Jupp Fruntke, der hartnä-ckig immer wieder Leute anspricht. Ideen kommen auch aus dem Kreis selbst. Das Schöne an diesem Familienkreis: Hier werden keine Unterschiede zwischen Akademikern und Nicht-akademikern gemacht. Diesen Kreis prägt vor allem die Kirchlichkeit, die Gemeinde."

An Agilität fehlt es den meis-ten der 64 Frauen und Männern jedenfalls nicht. Um ihr 40-jähriges Jubiläum zu begehen, sind fast alle an diesem Oktoberwochenende nach Bad Kösen gekommen. Auch Pfarrer Ducke hat sich dafür einen Tag frei genommen. Es wird gesungen, erzählt und gefeiert, was das Zeug hält. Aber es geht auch hier nicht nur um nettes Miteinander. Dieses Wochenende stehen zwei Themen auf der Tagesordnung: "Quo vadis Kirche" und "Sinnerfülltes Leben". "Ein Zurücklehnen wird es auch in unserem fünften Jahrzehnt nicht geben", sagt Jupp Fruntke mit Nachdruck. "Wir wollen das Leben unserer Gemeinde mit all unseren Kräften unterstützen und wir wollen füreinander dasein. Jetzt im Alter mehr denn je."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 31.10.1999

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