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Bistum Dresden-Meißen

Aus dem Engangement von Pfarrer und Gemeinde

Annaberg-Buchholz

Annaberg-Buchholz - Der letzte Schnee ist zerronnen. Schmelzwasser macht den gegenüberliegenden Park unwegsam. Gegen den Vorfrühlingshimmel leuchtet in kräftigen Farben der Neubau des Altenpflegeheims, das in Annaberg natürlich nur St. Anna heißen kann. Einen Tag vor der Weihe der Kapelle durch Bischof Joachim Reinelt am 6. Februar sind die Bewohner aus dem alten Haus nebenan ins neue umgezogen. Allmählich kamen die hinzu, die auf einen Platz gewartet hatten, so dass, wie Heimleiter Gerhard Hilbig sagt, die 70 Plätze nun fast alle belegt sind. Der U-förmige Bau hat 54 Einzel- und acht Doppelzimmer. Im Gartengeschoss befinden sich die Hauskapelle und auch die anderen Räume, die von allen genutzt werden können wie die tagsüber ständig geöffnete Cafeteria, der Friseur oder der große Werk- und Bastelraum. Auch der Hausgeistliche Pf. i. R. Werner Steiner wohnt dort, leicht erreichbar für alle im Haus.

Rund zwölf Millionen Mark hat das komfortable und sehr einladend wirkende neue Heim gekostet, gefördert von Bund, Land, Landkreis, Bistum Dresden-Meißen und Deutschem Hilfswerk. Pfarrer Günter Hanke kann mit Freuden den Helfern aus dem Bauausschuss der Trägerpfarrei "Heilig Kreuz" für viele ehrenamtliche Beratungs- und Einsatzstunden danken, ebenso dem Leitungsteam des Heimes, das den Bau mit Praxisaugen begleitete. Das Architektenteam Lamatsch-Kaempfe und Partner war für entsprechende Vorschläge immer offen und kann nun mit Genugtuung erleben, wie das auf dem Reißbrett Erdachte von den Bewohnern angenommen wird.

Am 31. März wurde eingeweiht, was inzwischen schon ein wenig vertraut geworden war. Frau G. hatte vom ehemaligen Heim aus etwas bang Bagger und Kran mit den Augen verfolgt. Vom Hin- und Herrennen der vielen Helfer am Umzugstag - Angehörigen und Pfarrgemeindegliedern - war ihr fast schwindlig geworden. Aber nun stehen die Blumenstöcke am neuen Fenster, ihr Lieblingsbild hängt wieder überm Bett, und in der lichten Kapelle mit den farbigen Fenstern von Ruthild Langhammer hat sie seit der Segnung durch den Bischof schon ein paar Mal gesessen. Das "Engelfenster" hat es ihr angetan. Zu Hause ist sie nun hier, wenigstens schon ein bisschen. Da kam die Lust zum Feiern von ganz allein. Den anderen Heimbewohnern ging es wohl ähnlich.

Es war ein langer Weg bis hierher. Schon nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Katholische Pfarrverein das ehemalige Stadtrestaurant, Grundstock des alten Heims, erworben. Zunächst war es Heimstätte für Waisenkinder, in der Nazizeit musste deren Zahl reduziert werden, und die ersten Erwachsenen und Rentner zogen ein. Der Krieg brachte Evakuierte und Flüchtlinge. Nach dem Zusammenbruch wurde das Haus endgültig Altenheim, betreut von Vinzentinerinnen, später von der Caritasschwester Gisela Patz. Ein Um- und Erweiterungsbau des inzwischen der Pfarrei "Hl. Kreuz" übertragenen Heims gelang zu DDR-Zeiten nur durch jahrelangen Einsatz einer Feierabendbrigade. Der St.-Anna-Klub übernahm pflegerische Aufgaben. Außerdem bot das Haus Raum für Begegnungen vieler Gruppen. Frau G. erinnert sich besonders ans Theaterspiel, in dem ihre Kinder mit agierten. Man sieht: Das alte, nun leer stehende Haus kann die Geschichte der Pfarrgemeinde erzählen. Ohne deren Engagement und das des Pfarrers stünde das neue nicht daneben. Ursula Wicklein

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 09.04.2000

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