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Bistum Erfurt

Mit dem Christsein in Kontakt bringen

Presseempfang in Erfurt

Erfurt (mh) - Das Fehlen einer breiten gesellschaftlichen Debatte angesichts des derzeitigen Wertewandels hat Bischof Joachim Wanke bedauert. Es sei unverantwortlich, den Wertewandel nicht verantwortlich mitzugestalten. "Wir brauchen eine neue Grundwerte-Diskussion", forderte der Bischof deshalb beim Jahrespresseempfang in Erfurt. In diesem Zusammenhang wies er auf Fehlentwicklungen hin. Das ökonomische Denken in vielen Bereichen führe dazu, dass der andere aufhöre Mitmensch zu sein. Jugendlichkeit, Fitness und Leistungsvermögen seien heute Standard für die Antwort auf die Frage "Was ist der Mensch?" Aber auch Alte, Kranke, Leistungsschwache und das ungeborene Leben hätte ihren Wert und ihr Lebensrecht. Wanke kritisierte das falsche Verständnis von Freiheit als "Ich mache, was ich will." Bedenklich sei es auch, "wenn Spaß und unmittelbare Bedürfnisbefriedigung zu alles entscheidenden Größen werden".

Räume, in denen zu Werten erzogen werde, müssten deshalb geschützt werden, forderte der Bischof. Das gelte besonders für Familien, die mancherlei gesellschaftliche Benachteiligungen hinnehmen müssten. Im reichen Deutschland sei es ein Skandal, dass Kinder ein Armutsrisiko darstellten. Ausdrücklich warnte Wanke vor Tendenzen, den in der Verfassung grundgelegten besonderen Schutz von Ehe und Familie auszuhöhlen.

Zur Rolle der Kirche in Thüringen betonte der Bischof, ihm liege daran, "dass wir Türen öffnen und Möglichkeiten schaffen, dass Menschen außerhalb des kirchlichen Milieus echten Lebenskontakt mit gelebtem Christentum bekommen". Ein Schlüsselwort können heißen: "Auskunftsfähige Kirche werden". Wo es um menschliche Zukunft gehe, wolle die Kirche mit ihrem Profil in Thüringen nicht fehlen: "Unsere Kinder und Jugendliche sollten nicht nur die Computersprache kennen, sondern auch die Zehn Gebote."

Angesprochen auf Bemühungen zur Gründung eines Vereins Donum Vitae zur Fortführung der katholischen Schwangerschaftskonfliktberatung in Thüringen sagte Wanke: Er respektiere und achte die Gewissensentscheidung der Initiatoren. Nötig sei eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten. Aus Spendengeldern Angestelltenverhältnisse zu begründen, sei nicht einfach. Unabhängig davon, ob es vom Land künftig Fördergelder geben werden, wolle er auch ohne Ausstellen eines Scheines die allgemeine Schwangerenberatung fortsetzen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 50. Jahrgangs (im Jahr 2000).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 09.04.2000

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