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Nicht auseinander laufen, sondern die Bindung suchen

Die Stadt Bautzen feiert in diesem Jahr ihr 1000-jähriges Bestehen

Bautzner Kolpingbrüder und -schwestern besuchten Rom. Der Anlass war die Seligsprechung von Adolph Kolping vor zehn Jahren.

Bautzen (jak) -Zum Festzug am 1. September werden Männer in historischen Handwerkergewändern aus dem 19. Jahrhundert auf die inzwischen 135 Jahre alte Tradition der Kolpingsfamilie in Bautzen hinweisen. Heute gehören rund 185 Frauen und Männer zu dieser regionalen Kolpingsfamilie, die damit die größte im Bistum Dresden-Meißen ist. Ein prägender Höhepunkt der regionalen Arbeit sind die monatlichen Kolpingsmessen mit anschließendem Frühstück. Dieses Angebot, das von der Mehrheit der Mitglieder genutzt wird, ist eine wesentliche Basis für den Zusammenhalt und das Miteinander der Bautzner Kolpingfreunde, wie Josef Spannenberger berichtet. Selbst gehört der pensionierte Schneider seit 1953 zu Kolping. Er fand damals gerade dort eine "Gemeinschaft, wo ich mich wirklich zu Hause fühlte. Es war wie in einer Familie." Später -1977 -übernahm Josef Spannenberger für sechs Jahre erstmals die Leitung. Zu dieser Zeit beschäf- tigte er sich intensiv mit der Person und dem Wirken des Gesellenvaters. "Ich fand bei Kolping ein Gottvertrauen, das man fast schon unverschämt nennen könnte." Dieses von Adolph Kolping vorbildhaft gelebte Gottvertrauen war und ist für Josef Spannenberger ein Beispiel und es trug ihn, als er vor nunmehr zwei Jahren die Leitung der Bautzner Gruppe erneut übernahm. Dabei ist es ihm ein Anliegen, Kolping für viele Interessenten attraktiv zu gestalten. Wobei es schwer ist, gerade junge Leute in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren zu begeistern. Dies liegt zum einen daran, dass viele zur Ausbildung und zur Berufsausübung Bautzen verlassen und zum anderen in den vielfältigen Angeboten, die heute gerade jungen Menschen offen stehen. Stabil ist jedoch die Altersgruppe von 30 bis 40 Jahren, was Hoffnung gibt, dass die heute Jungen einmal nachrücken. Josef Spannenberger sieht die Chancen für die Kolpingsfamilien darin, dass diese "lebensbegleitende Gemeinschaften" sind. Dies bedeutet, dass "man nicht auseinanderläuft, sondern vielmehr eine Bindung sucht." Und dabei kann die Tradition eine wichtige Basis sein, wenn es auch nicht versäumt werden darf, nach neuen Wegen zu schauen, wie Josef Spannenberger erklärt. Zudem ist es wichtig, dass die regionalen Kolpingsfamilien nicht alleine stehen, sondern im nationalen und im internationalen Kolpingwerk stets den Blick über den eigen Tellerrand haben.

Damit verbunden ist das Engagement für andere. Josef Spannenberger: "Besonders in den Jahren der DDR haben wir Hilfen erhalten, jetzt können wir helfen..." So beteiligten sich die Bautzner an der Kolpingstiftung mit 946 Euro. Ein anderes Beispiel ist das inzwischen zur Tradition gewordene Kolpingfastenopfer. In diesem Jahr werden die erbrachten 2120 Euro der Arbeit von Bischof Clemens Pickel in Russland zur Verfügung gestellt. Und im vergangenen Jahr wurden zusätzlich zirka 4000 Euro für Erdbebenopfer in Indien gesammelt.

Stellvertretend für die vielen Aktivitäten der Kolpingsfamilie seien die jährlichen Arbeitseinsätze -so im Klarissinnenkloster oder auf dem Friedhof -, der jährliche Kreuzweg in Nordböhmen sowie die an jedem dritten Freitag im Monat stattfindenden Kolpingabende zu verschiedenen Themen genannt. Wichtig sind für die Bautzner Mitglieder die Partnerschaften zu den Kolpingsfamilien in Langenfeld- Immigrath und mit St. Godehard in Hildesheim. Gäste aus diesen Familien werden aus Anlass des Stadtjubiläums und des 135. Stiftungsfestes der Bautzner Kolpingsfamilie erwartet.

Am 10. November 1867 begann die Kolpinggeschichte in der Stadt an der Spree. Bei dieser ersten Versammlung wurden 51 Gesellen und Meister in den Verein aufgenommen. Ein wichtiges Standbein für die weitere Entwicklung war die Anschaffung des Kolpinghauses im Jahr 1869. Nach Umbauten wurde es 1871 feierlich übergeben. So konnte das Vereinsleben in eigenen Räumen gepflegt werden und durchreisenden Handwerkern wurde Unterkunft gewährt. Über die Jahre konnte das Kolpinghaus -auch im Dritten Reich und in der DDR -bewahrt werden. Doch inzwischen mussten sich die Bautzner Kolpingsbrüder und -schwestern von diesem Haus trennen -für viele ein bis heute schmerzhafter Prozess. Die Kosten für eine Sanierung überstiegen einfach die Möglichkeiten der Bautzner Domgemeinde. Mit dem Neubau der Montessorischule wurde im Ausgleich der Kolpingsfamilie die Nutzung des dortigen Saales ermöglicht und im Dompfarramt selbst entstand ein Kolpingzimmer. Dort wird zum Tag der Kirchen am 29. Juni eine Ausstellung zu sehen sein, die die Geschichte der Bautzner Kolpingsfamilie dokumentiert und nicht nur Josef Spannenberger ist zuversichtlich, dass sie eine Zukunft hat. Er betont: "Wir hoffen und wünschen, dass es weitergeht. Aber schon nach der Wende hatten einige die Befürchtung, dass viele nicht mehr kommen, doch sie sind Gott sei Dank geblieben."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 03.04.2002

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