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Auf zwei Minuten

Unter Gottes Regenbogen

Angesichts der Katastrophen und menschlichen Fehlleistungen weiter auf Gottes Zusage vertrauen.

Pater Damian

Man kann Naturereignisse unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachten. Ein Regenbogen lässt sich erklären als Brechung und Reflexion der Sonnenstrahlen in den einzelnen Regentropfen. Man kann sich aber auch einfach über die Schönheit des Bogens und die Farben freuen. Ein Regenbogen kann uns aber auch noch auf einer tieferen Ebene ansprechen. Es ist das Zeichen des Bundes, den Gott nach der Sintflut mit der Menschheit geschlossen hat (Gen 9).

Die Sage von der Großen Flut ist weit verbreitet. Sie wird in vielen Kulturen überliefert. Nach Ansicht der Alten hängt die Welt der Menschen zwischen gewaltigen Wassermassen. Das bedeutet: Sie ist hineingehalten in die Macht des Chaos und des Verderbens. Von allen Seiten umgibt der Tod das Leben. Auf die bange Frage: Wird das Ende über die Menschheit kommen? Antwortet die alte mythische Erzählung: Ja, es wird kommen, da die Welt nach dem Willen der Götter für den Untergang bestimmt ist.

Der biblische Schriftsteller hat dieses Thema aufgegriffen, bearbeitet und neu gedeutet. Auch er stellt die urzeitliche Flut als bedrohendes Geschehen für die Gegenwart dar. Der Unterschied aber: Der Untergang ist nicht einfach Schicksal oder Willkür eines Gottes. Er wird von den Menschen selbst ausgelöst. Wenn die Menschen ihre Macht gebrauchen, um nicht miteinander, sondern gegeneinander zu stehen, sich nicht die Welt unterwerfen, sondern sich gegenseitig zerstören, dann sind sie nicht schuldlos Erleidende, sondern Täter: "Die Erde war in Gottes Augen verdorben, sie war voller Gewalttat" (Gen 6,1 1). Diese Botschaft der Bibel ist für uns heute sehr einsichtig. Das gewaltige Zerstörungspotential der Menschheit kann einen mit Angst und Schrecken erfüllen.

Da ist aber noch die andere Seite der Geschichte von der Sintflut: Das erste Evangelium, die gute Botschaft von der bleibenden Welt. Gott selbst durchkreuzt die schreckliche Möglichkeit des Menschen: "Nie wieder soll das Leben von den Wassern der Flut ausgerottet werden, ja, es soll keine Flut mehr kommen und die Erde verderben" (Gen 9, 11). Die selbstverursachte Zerstörung der Menschen, ist tatsächlich eine Macht, die Gegenwart bestimmt. Der Mensch kann sich wirklich zugrunde richten. "Gott allein bewirkt, dass die Katastrophe nicht eintritt; er setzt sein Wort gegen des Menschen Wirken" (Diego Arenhoevel). Als weithin sichtbares Zeichen seines Friedenswillens und seines Bundes mit der Menschheit stellt Gott seinen Bogen als Bild seiner Macht in die Wolken. Und wenn wir uns an einem bunt schillernden Regenbogen erfreuen, sollen wir daran denken: Unter seinem Regenbogen dürfen und können wir leben.

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 03.04.2002

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