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Sinnliches Erleben der Musik

Die Silbermannorgel der Hofkirche wird derzeit intoniert und gestimmt

Freude und Erwartung: Der Orgelbauer Kristian Wegscheider und Dompfarrer Klemens Ullmann informieren über den Stand der Arbeiten an der Silbermannorgel.

Dresden (jak) -Die Dresdner Hofkirche befindet sich heute in einem Zustand, wie sie Generationen von Menschen noch nie gesehen haben, betonte Dresdens Dompfarrer Klemens Ullmann in Dankbarkeit immer wieder. Und sie wird noch schöner: Die Silbermannorgel mit ihrem Prospekt ist in die Kirche zurückgekehrt. Die an der Restaurierung und Sanierung beteiligten beiden Dresdner Orgelbaufirmen Jehmlich und Wegscheider informierten am 13. Juni im Rahmen eines Pressegesprächs über den neuesten Stand der Arbeiten. Die traditionsreiche Firma Jehmlich zeigte sich unter anderem für die rekonstruierte Balganlage verantwortlich. Diese -von Horst Jehmlich vorgestellt -besteht aus sechs Keilbälgen -je 1,55 mal 2,84 Meter groß -die drei rechten Bälge für das Großpedal und Kleinpedal, die drei linken Bälge für das Hauptwerk, Brustwerk und Oberwerk. Bei Motorbetrieb wird der Wind durch einen Elektroventilator erzeugt und über einen Windkanal in die beiden unteren Bälge weitergeleitet; die Rückschlagventile werden hierbei aufgestellt, so dass alle Bälge mit Motorwind versorgt werden. Ein Betrieb über Tretbalken ist ebenfalls möglich.

Die 1989 gegründete Firma Wegscheider übernahm die Restaurierung der Pfeifen und ist derzeit mit der Intonierung der Silbermannorgel beschäftigt, deren Stimmhöhe einen halben Ton tiefer -also auf den Originalklang des 18. Jahrhunderts -gelegt werden soll. Jede der einzelnen 2714 klingenden Pfeifen muss dabei einzeln intoniert und gestimmt werden. Die benötigte Zeit dafür liegt zwischen zwei oder drei Stunden bis hin zu ein paar Minuten. Bis November soll aber alles geschafft sein. Kristian Wegscheider zeigte sich beeindruckt von der Qualität der Orgel, die nach seinen Worten mit anderen Silbermannorgeln nicht vergleichbar ist. Die Hofkirchenorgel bietet für Wegscheider ein sinnliches Erleben der Musik, sie ist keine "Predigerin" sondern trägt den Zuhörer. Orgelbauer Wegscheider ist dankbar für die Entscheidung von Domgemeinde, Domorganist und dem Staatshochbauamt, einer Stimmverlegung zuzustimmen. Auch wenn es ein Einschnitt ist, so werden es Musiker und Zuhörer bald merken, wie würdevoll die Orgelliteratur ab November auf dem Instrument klingen wird, betonte Wegscheider. Der Dresdner Orgelbauer erinnerte in seinen Worten weiter an die Verantwortlichen um Propst Wilhelm Beier, die sich im Zweiten Weltkrieg für die Auslagerung des Orgelwerkes entschieden. Ihnen ist es zu danken, dass die Orgel bald wieder erklingen kann.

Dompfarrer Klemens Ullmann dankte den beteiligten Firmen und insbesondere dem Freistaat Sachsen, der als Eigentümer der Kirche auch die Kosten für die Silbermannorgel übernahm. Dies alles ist für die Domgemeinde keine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr ein Geschenk.

Mit den derzeit laufenden Arbeiten sind eingeschränkte Öffnungszeiten der Kirche verbunden, da zu den Arbeiten eine höchst mögliche Ruhe notwendig ist. Die Orgel soll im November neu erklingen, aus diesem Anlass ist eine Festwoche geplant.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 25 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 20.06.2002

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