Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Erfurt

Uni setzt ein Signal

Erfurt: Professur für Familienwissenschaften

Erfurt (kna) -An der Universität Erfurt wird im Zuge ihrer Reform der erste Lehrstuhl für Familienwissenschaft in Deutschland eingerichtet. Die vertragliche Vereinbarung über die "Stiftungsprofessur Familienwissenschaft der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung" wurde zwischen dem Stifter, der Universität und dem Land Thüringen unterzeichnet. Beobachter sehen in diesem Schritt ein familienpolitisches Signal erster Ordnung.

Für diesen bundesweit einmaligen Lehrstuhl will die Hertie-Stiftung, einer der größten privaten Stifter in Deutschland, in den kommenden fünf Jahren insgesamt bis zu 905 000 Euro zur Verfügung stellen. Die C4- Professur, deren Kosten anschließend das Land trägt, gehört zur Staatswissenschaftlichen Fakultät, die die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Politologie und die Soziologie zu integrierten Studiengängen verbinden will. Ein derart interdisziplinär und praxisorientiert angelegter Forschungsschwerpunkt "Familienwissenschaft" -familienbezogene Gesellschaftspolitik unter Einschluss der ökonomischen Bedeutung der Familie -fehlt bislang an den Hochschulen. Die Stiftungsprofessur, betont der Erfurter Universitäts- Präsident Wolfgang Bergsdorf, werde die zentrale Rolle der Familie im Hinblick auf gesellschaftspolitische Fragen in den Mittelpunkt rücken und damit eine alte staatswissenschaftliche Tradition wiederbeleben. Mit der Konzeption dieses Lehrstuhls, so auch der Dekan der Staatswissenschaftlichen Fakultät Jürgen Backhaus, würden die Anstrengungen der Hochschule verstärkt, einer Zersplitterung der Staatswissenschaften entgegen zu wirken sowie die Zwischengebiete besonders zu betonten.

Die neue Professur ist auf der Grundlage eines interdisziplinären Wissenschaftsverständnisses betont praxisorientiert ausgerichtet. Sie soll auch Probleme der Familienpolitik in den Blick nehmen. Michael Endres, der Vorstandsvorsitzende der Hertie- Stiftung, sieht im Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einen Weg, die Wirksamkeit einer familienorientierten Gesellschaftspolitik zu steigern: "Ein erfolgreiches Engagement für die Interessen der Familie bedarf einer wissenschaftlich fundierten Begleitung". Hier erwartet der Stifter auch Beiträge zur wissenschaftlichen Begleitung des Projekts "Beruf und Familie". Mit der Errichtung des Lehrstuhls will die Hertie-Stiftung ihre Aktivitäten im Themenfeld "familiengerechte Arbeitswelt" weiter ausbauen, indem sie einen Perspektivwechsel fördert, bei dem familiäre Interessen nicht als Hemmnis, sondern als Chance für Wirtschaft und Gesellschaft begriffen werden. Dabei sollen im Rahmen eines Schwerpunktes auch die Mittelstandsforschung und eine familienbewusste Unternehmenspolitik in den Blick genommen werden.

Ein interdisziplinärer Ansatz, wie er mit der Erfurter Professur verbunden ist, betonen Experten, sei für anwendungsbezogene politikrelevante Analysen von Familien und ihren Lebenssituationen deshalb so wichtig, weil die Lebenseinheit Familie von Teildisziplinen nur begrenzt erfasst werden könne.

Insgesamt werden mit dem Projekt, das den Aufbau und die Vertretung des Arbeitsbereichs Familienwissenschaft in Forschung und Lehre zur Aufgabe hat, Erwartungen auf einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung speziell der familienwissenschaftlichen Arbeit in Deutschland verbunden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 06.09.2002

Aktuelle Empfehlung

Der TAG DES HERRN als E-Paper - Jetzt entdecken!

Aktuelle Buchtipps