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Bistum Erfurt

Was sich keiner träumen ließ

Der ökumenische Kindergarten in Nordhausen feierte zehnjähriges Bestehen

Wen hat der liebe Gott besonders lieb? Den ökumenischen Kindergarten!

Nordhausen -"Jeder, der kommt, soll willkommen sein", singen die Hortkinder des ökumenischen Kindergartens in Nordhausen. Beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Einrichtung am 6. September halten sie mit Musik und kleinen Anspielen Rückschau auf die letzten Jahre. Und dass sie an diesem Tag so ausgelassen feiern können, ist keineswegs selbstverständlich. Der Kindergarten ist 1992 aus einer Elterninitiative entstanden, die einen Verein gründete und sich um alle Belange selbst kümmern musste, ohne den Rückhalt großer Sozialverbände zu haben. Ein ökumenischer Gottesdienst und ein großes Kinderfest schließen sich an. "Keiner von uns hätte sich vor zehn Jahren träumen lassen, dass wir heute diesen Tag so feiern können", meint der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Uwe Krieger, als ob ihm ein Stein vom Herzen fallen würde.

Die Geschichte des Nordhausener Kindergartens ist in der Tat mutig und abenteuerlich, darf aber als ein Musterbeispiel für erfolgreiches Engagement von Eltern und Erziehern gelten. Seit 1953 gab es in Nordhausen einen evangelischen Kindergarten, ein Geheimtipp für Eltern, die ihre Kinder wenigstens für eine gewisse Zeit vor der sozialistischen Erziehung bewahren wollten. Nach der Wende, als sich die evangelische Gemeinde St. Blasii- Petri-Altendorf um ein größeres Gebäude und die katholische Gemeinde um die Errichtung eines konfessionellen Kindergartens bemühte, entstand die Idee einen ökumenischen Kindergarten in freier Trägerschaft zu gründen. Ein Verein wurde ins Leben gerufen, der nunmehr die Geschicke des Kindergartens leitet. Dass eine solche Form der Trägerschaft nicht unbedingt von Nachteil ist, bestätigt der Vorstandsvorsitzende Krieger. "Die Entscheidungswege bei uns sind für deutsche Verhältnisse relativ kurz."

Schwierigkeiten bei der Auslastung hat der Kindergarten in Nordhausen heute nicht. Die Entscheidung von damals, darüber sind sich alle einig, war richtig und hat sich gelohnt: Aus den 70 Kindern vom Anfang sind inzwischen 199 geworden, einschließlich der 40 Hortkinder. Vielfältige Angebote ergänzen das Programm im kirchlichen Jahreskalender. Wichtig ist die ökumenische Ausrichtung. Der Kindergarten sieht seine Arbeit darin, das Verbindende der Konfessionen und Religionen zu suchen und die Unterschiede zu tolerieren, wie es im Konzept heißt. Für die Leiterin der Einrichtung, Margit Klodt, gehören zu dem christlichen Profil aber nicht nur die religionspädagogischen Angebote wie die täglichen Morgenkreise oder die Feier der christlichen Feste. "Wichtig ist für uns, die individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes zu fördern", erklärt die Leiterin. Deshalb gebe es auch gemischte Gruppen im Alter zwischen zweieinhalb und sechs Jahren, weil hier eine familiäre Atmosphäre geschaffen werde. Ein besonderer Tag sei der Donnerstag -denn der ist Wahltag. Dann dürfen aus jeder Gruppe vier Kinder wählen, in welchem Raum sie bei besonderen Tätigkeiten einen Teil des Vormittags verbringen möchten -in der Küche, im Garten oder in der Werkstatt. Zum Kindergartenalltag, so bestätigt Frau Klodt, gehören aber auch Umwelt- oder Verkehrsprojekte.

Eine "wunderbare Arbeit", die über die Stadt hinausstrahlt, bescheinigt Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) der Einrichtung. Eine gute Startposition habe sie schon durch das Engagement der Eltern im evangelischen Kindergarten zu DDR-Zeiten gehabt. Wichtig sei, dass das Gebet schon früh eingeübt werde, denn nicht nur die Kirchen dürften heute Orte der Besinnung sein.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 12.09.2002

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