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Auf zwei Minuten

Glaube an Gott und die Würde des Menschen

Man muss schauen, dass der Name Gottes nicht missbraucht wird

Pater Damian

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." Dieser Satz steht als Artikel eins in unserem Grundgesetz. In der Präambel zu diesem Grundgesetz heißt es: "In Verantwortung vor Gott und den Menschen hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassunggebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben." Manche Zeitgenossen möchten das Wort "Gott" lieber aus dem Text gestrichen haben. Sie sehen im Glauben an Gott eine Einschränkung der menschlichen Freiheit und Autonomie. So, als stünden Gott und die Ehre Gottes gegen den Menschen und seine Würde. Für den recht verstandenen biblisch-christlichen Glauben aber ist das Gegenteil wahr: Die Würde und die Freiheit des Menschen hat ihren letzten Grund in Gott, der den Menschen als sein Abbild, ihm selbst ähnlich, erschaffen hat (Gen 1 ,26). Das Zweite Vatikanische Konzil hat den unlöslichen Zusammenhang zwischen Glaube an Gott und der Würde des Menschen klar herausgestellt: "Die Kirche hält daran fest, dass die Anerkennung Gottes der Würde des Menschen keineswegs widerstreitet, da diese Würde eben in Gott selbst gründet und vollendet wird ...Außerdem lehrt die Kirche, dass durch die eschatologische (endzeitliche) Hoffnung die Bedeutung der irdischen Aufgaben nicht gemindert wird, dass vielmehr ihre Erfüllung durch neue Motive unterbaut wird. Wenn dagegen das göttliche Fundament und die Hoffnung auf das ewige Leben schwinden, wird die Würde des Menschen aufs Schwerste verletzt, wie sich heute oft bestätigt, und die Rätsel von Leben und Tod, Schuld und Schmerz bleiben ohne Lösung, so dass die Menschen nicht selten in Verzweiflung stürzen" (Kirche in der Welt, Nr. 21)

Wie alles, kann auch der Name Gottes missbraucht werden zum Schaden der Menschen. Gott kann missbraucht werden als nützliche Sache und Vorwand eigener Interessen. "Im Namen Gottes" ist in der Geschichte Schreckliches geschehen. Wir wissen, dass das auch heute oft geschieht. Auch in der Kirche ist man im Laufe der Geschichte öfters der Versuchung der Macht erlegen. Der Religionspädagoge Hubertus Halbfas nennt Beispiele, was man mit Gott alles machen kann: "Man kann Gott verantwortlich machen für Hunger und Elend. Man kann Gott mieten zu besonderen Anlässen. Er dient der Feierlichkeit und fördert den Umsatz. Man kann Gott nur für sich haben wollen und anderen -besonders anders Denkenden -Gott absprechen. Man kann Gott für die eigene Macht gebrauchen, indem man sagt, alle Autorität komme von Gott. Man kann im Namen Gottes Kriege führen, Menschen verdammen und töten und sagen, das sei Gottes Wille. Man kann mit dem Ruf ,Gott will es!' Angriffe als Kreuzzüge tarnen und auf Soldatenuniformen ,Gott mit uns' schreiben."

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 10.10.2002

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