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Angst vor dem Bild

Anknüpfend an die Tradition der Ostkirchen malt Wanda Dück Ikonen und ganze Kirchenräume aus

Görlitz. In der Nikolaikirche ist der derzeit eine Ausstellung der Künstlerin Wanda Dück zu sehen. Ihr Atelier hat sie in Gronow (Gruna), wenige Kilometer von Görlitz entfernt.

Wanda und Jürg Dück vor ihrem Schloss im kleinen Dörfchen Gruna. Sie haben es Kunstschloss WaJu genannt.

Wenn Wanda Dück auf zeitgenössische Kunst und die Kirche zu sprechen kommt, hebt sich ihre Stimme. Die 50-Jährige beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie man heute Kultbilder schaffen kann. "Was muss ein Bild haben, damit man davor beten kann?", fragt die Malerin mit den roten Haaren.

Wanda Dück setzt sich seit ihrem Studium in St. Petersburg, das damals noch Leningrad hieß, damit auseinander, wie Kunst sein muss, die für sakrale Räume gedacht ist. In St. Petersburg hat die aus dem ostpolnischen Lublin stammende Künstlerin "monumentale dekorative Malerei" studiert. So wurde sakrale Wandmalerei in der Sowjetunion genannt.

Seither versucht sie in ihren Bildern an die Bildtradition der Ostkirchen, der byzantinischen Malerei anzuknüpfen. Als "Mischung von byzantinischer Tradition und russischem Konstruktivismus" beschreibt sie selbst ihre Tafelbilder und Wandmalereien. Ein kleiner Teil ihrer Arbeiten ist derzeit in der Görlitzer Nikolaikirche zu sehen.

Als schwierig beschreibt sie das Verhältnis, das Kirche heute zur bildenden Kunst hat. "Es gibt eine regelrechte Angst vor dem Bild", beschreibt sie ihre Erfahrungen mit Architekten und Pfarrgemeinden. Architekten planen ihrer Ansicht nach heute nur noch sehr asketische Kirchenräume. Und bevor man Gefahr läuft "schlechte Kunst" oder Kitsch zu kaufen, mache man lieber gar nichts.

Die Verantwortung für diese Situation sieht sie auch bei der Kirche: "Früher hat es Schulen und das Mäzenatentum - vor allem der Kirche - gegeben. Die Kunst in der Kirche ist bereits vor Jahrzehnten stehengeblieben und hat sich nicht mehr weiterentwickelt", kritisiert sie. Doch die katholische Malerin will nicht auf Distanz zur Kirche gehen. Ganz im Gegenteil: "Wenn ich religionskritische Bilder malen würde, wäre ich möglicherweise erfolgreicher. Aber das will ich ja gar nicht", sagt Wanda Dück.

Ihr Atelier hat sie im Schloss von Gruna (Gronow). Das hat sie 2001 gekauft und hat hier endlich ihren "Platz fürs Leben", wie sie selber sagt.

Die Ausstellung "Byzanz und Moderne" von Wanda Dück in der Nikolaikirche ist noch bis zum 31. Oktober täglich von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Von Markus Kremser

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