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Mönch, Erzbischof, Missionar, Märtyrer

Wissenschaftliche Tagung zum heiligen Brun von Querfurt

Von Uwe Naumann
Querfurt. Geschichte und Mythos des Brun von Querfurt hat eine wissenschaftliche Tagung der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg und des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt beleuchtet, zu der am 22. August etwa 130 Gäste auf die Querfurter Burg kamen.

Querfurt: Tagung zum heiligen Brun

Zu Lebzeiten des Brun von Querfurt (um 974-1009) im Hochmittelalter war die christliche Missionierung von Mittel- und Osteuropa ein bedeutender, obgleich schwieriger und langwieriger Prozess. "Eine frühe Osterweiterung" nannte es Christian Lübke vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas aus Leipzig in seinem Vortrag, der Brun von Querfurt und seine Zeit thematisierte. In diese Zeit vor etwa 1000 Jahren fiel auch das Ereignis, das für den aus einem angesehenen Adelsgeschlecht stammenden Brun wahrscheinlich Anlass war, als Missionar nach Osteuropa zu gehen: Der Märtyrertod seines Lehrers und späteren Vorbildes Adalbert von Prag († 997), des ersten Missionars in Preußen (Volk der Prußen).
Die Mission als Besonderheit des Christentums sowie die sich verändernden Motive für die Mission bis in unsere Zeit, wo die pluralistische Religionstheologie von einem friedlichen Nebeneinander der Religionen ausgeht, erklärte Regina Radlbeck-Ossmann. Die Professorin für Systematische Theologie und Dogmatik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wählte dabei geschichtliche Schlaglichter wie die Juden- und Heidenmission, die in Griechenland zum Beispiel Probleme mit der Beschneidung hervorrief.
Für Augustinus (354-430) habe der Sendungsauftrag "Gehet hin in alle Welt" (Mt 28, 19) bedeutet, dass in jedem Volk der christliche Glaube verankert sein solle, wenn auch nur bei ein paar Menschen. Gleichzeitig mit dieser Ausdehnung auf den gesamten Mittelmeerraum (das Römische Reich als Weltvorstellung) sei die Missionierung mit mehr Druck einhergegangen. Dem Gleichnis vom großen Gastmahl (Lk 14,23) entsprechend dürften die Menschen auch genötigt werden, sprach Radlbeck-Ossmann über das damalige Missionsverständnis.
Im frühesten Mittelalter, zu Zeiten Papst Gregors I. (590-604) wurde das Missionsgebiet über das Mittelmeer hinaus auf die britischen Inseln ausgedehnt, nicht zuletzt um neue Verbündete und neue Räume zu finden, führte die Theologin politische Auseinandersetzungen zwischen ost- und weströmischem Reich als Hintergründe an. Die politische Einflussnahme auf die christliche Mission nahm im Mittelalter weiter zu und äußerte sich seit dem zwölften Jahrhundert in verschiedenen Kreuzzügen.
Wie sich die einflussreiche Querfurter Dynastie, der Brun entstammte, an der politischen Ostmission und auch an späteren Kreuzzügen beteiligte, referierte Stefan Möller von der Interessengemeinschaft Deutscher Orden aus Halle: "Die edlen Herren von Querfurt im Baltikum und in Osteuropa. Ein mitteldeutsches Adelsgeschlecht im Dienste der Ostpolitik der Magdeburger Erzbischöfe". Möllers Resümee lautete: "Der Tod Bruns war das Ende der friedlichen Mission im Baltikum."
Über die Legenden des heiligen Brun sprach abschließend im Bildersaal der Querfurter Burg Kathrin Pöge-Alder von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie erzählte von der Neunlingssage, wonach Brun acht Kinder aus einer Mehrlingsgeburt in Querfurt vor dem Tod rettete. Außerdem die Sage von der Eselswiese, wonach Bruns Esel auf einer Wiese stehen blieb und seinen Herren zur Umkehr zwang, da er das drohende Unheil (seinen Tod als Missionar) ahnte. Und die Sage vom Wunder, dass Brun seinen Stab in die Erde stieß und einen Quell sprudeln ließ. "Die wahre Heiligkeit zeigen die Wunder", so die Erzählforscherin. "Und die Legenden gehören dazu, um die Kluft zwischen Irdischem und Heiligem, Metaphysischem zu füllen."
Nach den Legenden über den Heiligen konnten sich die Gäste der wissenschaftlichen Tagung am Nachmittag von dem überzeugen, was wirklich war und geblieben ist aus der Zeit vor 1000 Jahren von Brun, dem Mönch, Erzbischof, Missionar und schließlich dem Märtyrer: Führungen durch die Brun-Ausstellung in der Querfurter Burg, Führungen durch und um die Burg sowie eine Fahrt zur Wiesenkirche konnten vieles aus den Vorträgen anschaulich machen.

Die Ausstellung ist bis 20. Dezember jeweils Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Info: www.heiliger-brun.de

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