Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!

Bereit, den eigenen Blickwinkel zu erweitern

Im Gespräch mit Ordensleuten Teil 5: Das Gelübde des Gehorsams

Clemens MaaßVon Dorothee Wanzek

Dresden. Was bewegt einen Christen heutzutage, freiwillig Gehorsam zu versprechen? Dem Dresdner Jesuitenpater Clemens Maaß hat sich der Sinn dieses Versprechens im Laufe seines bisherigen Ordenslebens immer mehr erschlossen.

Als Jesuit hat sich Clemens Maaß vor 16 Jahren nicht nur wie in allen Ordensgemeinschaften üblich zum Gehorsam gegenüber seinen Ordensoberen verpflichtet, sondern zusätzlich zum Gehorsam gegenüber dem Papst. Der Gehorsam war nicht der Grund, sich für die Jesuiten zu entscheiden, er war aber auch kein Hinderungsgrund, erinnert sich der Pater, der seit einem Jahr die Katholische Akademie des Bistums Dresden- Meißen leitet.

Zunächst einmal sieht er den Gehorsam ganz pragmatisch: "Wenn man sich einer Gemeinschaft anschließt, ist es selbstverständlich, dass man sich mit ihr zu identifizieren versucht und dass man für die gemeinsamen Ziele etwas investiert. Das sei bei der Zugehörigkeit zu einer Familie oder der Mitarbeit in einem Wirtschaftsunternehmen ganz ähnlich.

Bei den Jesuiten verstehe man Gehorsam insbesondere als Erweiterung der eigenen Perspektive, erläutert Clemens Maaß. Seinem Ordensgründer, Ignatius von Loyola, sei es darum gegangen, zur Ehre Gottes für das Heil der Menschen zu arbeiten. Dabei habe er nach den größeren Möglichkeiten gefragt.

Den größten Überblick darüber, in welchen Ländern und Aufgabenbereichen stärkere kirchliche Präsenz wichtig wäre, habe damals wie heute der Papst. Aus diesem Grunde habe die Gemeinschaft ihre Bereitschaft erklärt, sich von ihm mit Aufgaben betrauen zu lassen. Auch wenn die Jesuiten nicht jede römische Verlautbarung bejubelten und es mitunter auch Spannungen im Verhältnis zum Papst gegeben habe, nähmen sie dieses Versprechen doch ernst.

Paul VI. beispielsweise habe den Jesuiten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Atheismus ans Herz gelegt. Benedikt XVI. bekräftigte kürzlich noch einmal die Bedeutung der von ihnen geleiteten internationalen Studienhäuser in Rom ...

Auch seinen Ordensoberen billigt Clemens Maaß größeren Überblick und höhere Kompetenzen zu und ist bereit, sich neuen Herausforderungen zu stellen, die sie für wichtig halten. Ebenso wie die Oberen bemühe er sich dabei um größtmögliche Kommunikation und Offenheit. Er teile beispielsweise seinem Provinzial mit, wo er selbst seine Fähigkeiten und Stärken, aber auch seine Schwächen sehe.

Nach Dresden habe der ihn nicht einfach abkommandiert, sondern er habe mit ihm gesprochen und ihm vor Augen geführt, dass ihm die Präsenz der Jesuiten in dieser Stadt weiterhin sehr wichtig sei. Er bat Pater Maaß, sich selbst ein Urteil zu bilden, ob Dresden als künftige Wirkungsstätte für ihn in Betracht käme. "Ich bringe meine Ideen und Meinungen ein, bin aber bereit, sie im Gespräch mit den Oberen zurückzustellen, beschreibt der Jesuit. "Da muss man auch mal etwas schlucken.

Ihm sei das beispielsweise so gegangen, als während seines dritten Ausbildungsabschnitts im Orden sein geplanter Auslandsaufenthalt kurzfristig abgesagt wurde. Derartige Erfahrungen könnten die Flexibilität und innere Mobilität fördern. Mitunter würden neue positive Kräfte geweckt, von denen man zuvor noch nichts ahnte. Oder man beginne, über sich selbst nachzudenken. Vielleicht stelle man dabei fest, dass man sich Illusionen über sich selbst gemacht hat...

Die Bereitschaft, sich nach einer gewissen Zeit an einem Ort wieder versetzen zu lassen, bewahre vor der Gefahr, sich allzu sehr in seinen Lebenskreisen einzurichten.

Als Christ folge er Jesus Christus und letztlich sei er es, dem gegenüber er sich zum Gehorsam verpflichtet habe, hält sich Clemens Maaß immer wieder vor Augen. Auch Christus habe nicht seinen Privatwillen durchgesetzt, sondern sei im Gehorsam gegenüber dem Vater den unbequemeren Weg gegangen. Eine wesentliche Voraussetzung, in einer Ordensgemeinschaft glücklich zu werden, sei das Vertrauen darauf, dass der Wille Gottes in dem zum Ausdruck kommen könne, was die Verantwortlichen sagen.

Das Versprechen des Gehorsams mache ihm bewusst, dass Nachfolge Christi sich nicht in schönen frommen Ansprachen erschöpfen dürfe, sondern dass Christus ihn beim Wort nehme.

Aktuelle Empfehlung

Der TAG DES HERRN als E-Paper - Jetzt entdecken!

Aktuelle Buchtipps