Caritas ist im Nachbarbistum zum Markenzeichen geworden
Leiter von Altenpflegeheimen im Bistum Dresden-Meißen zu Gast in Tschechien

In dem schmucken Barockgebäude, das heute den Caritasverband für das Bistum Leitmeritz beherbergt, wurden früher Priester ausgebildet, weil es in Prag verboten war. Inzwischen ist der geistliche Nachwuchs in die tschechische Hauptstadt zurückgekehrt.
Wenn Caritasdirektorin Ruzena Kavková durch die Straßen von Leitmeritz geht, gibt es kaum jemanden, der sie nicht kennt. Die Leute grüßen freundlich und unterhalten sich mit ihr. Für jeden hat sie ein offenes Ohr. "Das sind alles Klienten", sagt Frau Kavková. Zu kommunistischen Zeiten war die Caritas im heutigen Tschechien verboten. Sozialarbeit war Staatsangelegenheit. 18 Jahre nach der Neugründung hat sich der Verband zu einem echten Markenzeichen entwickelt. Er ist in der allgemeinen sozialen Beratung tätig. In seiner Trägerschaft befinden sich Altenheime und Pflegewohnheime, zudem gibt es Projekte für Kinder, Obdachlose, Prostituierte im Grenzbereich und Behinderte. Auch Ehrenamtliche kümmern sich um bedürftige Menschen: Zum Beispiel in der Kleiderkammer, die im Haus des Diözesanverbandes untergebracht ist.
Kirchlich gesehen ist das Bistum Leitmeritz tiefste Diaspora. Von den rund 3,1 Millionen Einwohnern gibt es zwar noch 130 000 Katholiken, die Zahl der aktiven Gläubigen liegt allerdings verschwindend gering bei rund 11 000. Durch seine lange Tradition verfügt das Bistum über Immobilien, die es kaum erhalten kann. Die Bischöfliche Residenz, die zum Teil saniert wird, beherbergt Kunstwerke von unschätzbarem Wert, was aber kaum Außenwirkung zeigt. Das Fenster der tschechischen Kirche zur Welt ist die Sozialarbeit der Caritas. Regional ist sie in Pfarr- und Gebietscaritasverbände mit etwa 350 Mitarbeitern gegliedert.
Tschechien ist eines der europäischen Länder, die von der Globalisierung profitieren. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund sieben Prozent, in Ballungszentren wie Prag gibt es sogar Vollbeschäftigung. Die einst zerfallenen Städte werden aufwändig und liebevoll saniert. Dennoch wachsen die sozialen Probleme. Mit einer immer älter werdenden Bevölkerung haben die Tschechen ebenso zu tun wie mit Obdachlosigkeit und Armut in kinderreichen Familien. Besonders fehlen aber Einrichtungen der Altenhilfe: Pflegeheime, Angebote der Kurzzeit- oder Tagespflege. "Die Wartelisten für unsere Heime reichen bis ins Jahr 2004 zurück", erklärt Zdenka Brumská, Direktorin für den Pfarrcaritasverband in Leitmeritz. "Es gibt einfach nicht genug Plätze, und es ist schwer, die Menschen immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten zu müssen." Frau Brumská hofft aber, dass sich die Situation bald zum Positiven verändert. Gleich neben dem "Haus für Senioren" baut die Stadt ein großes Altenpflegeheim mit 108 Plätzen, dessen Trägerschaft die Caritas übernehmen soll.
Die von der Caritas betreuten Altenheime sind klein, aber fein. Das der heiligen Zdislava geweihte Haus im früheren Dominikanerkloster bietet 30, das "Haus der Senioren" 21 alten Menschen Platz. Sie wohnen in Ein-und Zwei-Bett- Zimmern, das Drei-Bett-Zimmer ist die Ausnahme. Die Bewohner haben die Möglichkeit, ihre kreativen Kräfte zu entfalten, singen oder töpfern miteinander. Beeindruckt zeigen sich die Gäste aus Deutschland vom Engagement der Mitarbeiter, die die Alten liebevoll umsorgen. "Es ist wirklich erstaunlich, wie sich die Arbeit entwickelt hat", resümiert Walter Dziwis, Abteilungsleiter für Altenhilfe im Diözesanverband Dresden-Meißen.
Schwierigkeiten gibt es mit dem Nachwuchs. Im Pflegebereich werde es in den nächsten Jahren einen großen Bedarf geben, weiß Frau Kavková. Die gut ausgebildeten Krankenschwestern gehen ins Ausland und in die großen Städte, um ihr Glück zu versuchen. "Aber wir brauchen sie hier." Für den Caritas-Diözesanverband in Leitmeritz Grund genug, seine Fühler auch international auszustrecken. Beim bundesweiten Altenhilfe- Kongress 2009 in Dresden wird sich der Verband in Deutschland präsentieren und seine Arbeit vorstellen.
"Warum sollen nicht auch Deutsche, Engländer oder Franzosen bei uns arbeiten", sagt sich die tschechische Caritaschefin selbstbewusst. Sie findet, es sei an der Zeit, das gemeinsame Haus Europa zu bauen.
Von Andreas Schuppert
